28. Oktober 2015

Death Bell - Tödliche Abschlussprüfung!

© Splendid

Regie: Chang
Land / Jahr: Südkorea 2008












Die Abschlussprüfung war gar nicht so tödlich: Nach ihrem Bestehen macht sich eine Schülergruppe daran, sich mit der Hilfe von ein paar Lehrern auf den Uni-Alltag vorzubereiten. Plötzlich erreicht die Schüler eine schreckliche Nachricht: Sie sind in der Schule eingeschlossen und bekommen mehrere knifflige Aufgaben gestellt. Lösen sie diese nicht, müssen Mitschüler sterben.
Regisseur Chang hat sich zwei der erfolgreichsten Mischungen aus Horror und Thriller vorgeknöpft und seine eigene Version davon auf die Leinwand gebracht: Die Grundstruktur von "Death Bell" entspricht einerseits dem Klassen-Killerfilm "Battle Royale", andererseits gibt es schwierige Rätsel im Stil von "Saw".
Changs Ergebnis ist aber wirklich enttäuschend, kränkelt der Film doch auf mehreren Ebenen erheblich. Zum einen wäre da die äußerst fragile Logik. Wie kann ein Mensch eine ganze Schule unter Kontrolle halten? Wie kann er einerseits allgegenwärtig, andererseits unerreichbar sein? Und wie kann es in der heutigen Zeit möglich sein, dass knapp 30 Personen in einer Schule ohne Handy- und Telefonnetz sind, es aber über eine extrem lange Zeit niemanden wundert? Die Antwort auf all diese Fragen: Chang biegt sich die Logik zurecht, wie er sie gerade gebrauchen kann.
Was er auch nicht auf die Reihe kriegt, ist es den Überblick zu bewahren. Wenn der Zuschauer nach dem Film noch die Namen von zwei Schülern im Kopf hat, dann ist das schon eine beachtliche Leistung. Denn "Death Bell" ist wirr zusammengechnitten. Figuren springen regelrecht durch die Handlung. Einmal ist eine Gruppe in der Aula, Schnitt, eine andere Gruppe verschanzt auf einem Zimmer, Schnitt, nächste Gruppe. Da blickt niemand durch und vor allem nicht der Regisseur selbst.
Um auf dem Puchon Filmfestival in Südkorea gezeigt zu werden, wurde die Nachbearbeitung im Eiltempo gemacht. Und diesen fetten Faux Pas kann "Death Bell" zu keiner Zeit verschleiern. Die wenigen CGI-Effekte sind wirklich unterste Schublade. Der Schnitt ist eine Katastrophe und völlig undurchsichtig. Logische Konsequenz: Regisseur Chang hat sich auf dem Festival bei den Zuschauern für die miese Qualität entschuldigt. Das sagt schon alles.
Ein sorgfältiger und strukturierter Filmemacher hätte aus "Death Bell" einen ordentlichen Horror-Thriller machen können, bei dem der Zuschauer mitfiebert. Das misslingt Chang aber vollkommen. Die Inszenierung ist drittklassig, die Rätsel undurchschaubar für den Zuschauer, der somit keine Chance hat mitzuraten und dadurch schnell das Interesse verliert. Hier wird einfach viel zu viel verschenkt, was mit einfachen Mitteln besser hätte sein können. Das werden wohl enttäuschte 1,6 Millionen Südkoreaner im Kino gewesen sein.

Fazit: 30 %

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