7. Oktober 2015

Kind 44

© Concorde

Regie: Daniel Espinosa
Land / Jahr: USA, Großbritannien, Tschechien, Rumänien, Russland 2015











Die Sowjetunion in den 1950ern: Polizist Leo Demodiv (Tom Hardy) vermutet einen Serienmörder hinter mehreren gefunden Kinderleichen. Seine Vorgesetzten wollen es aber nicht wahrhaben, dass ein blutrünstiger Russe Menschenleben auf dem Gewissen hat und stellen die Taten als Unfälle dar. Seine Beharrlichkeit bringt nicht nur Leo, sondern auch seine Frau Raisa (Noomy Rapace) in Schwierigkeiten.
Nur um die Weltreise einmal zusammenzukriegen: Bei einem Thriller eines britischen Schriftstellers, dessen Handlung in Russland spielt und der von einer US-Firma produziert wird, führt ein schwedischer Filmemacher mit dem Namen Daniel Espinosa Regie und in den Hauptrollen spielen Schauspieler aus ganz Europa. Die Zahl der Filme, die ein solches internationales Chaos überlebt haben ist doch arg gering. "Kind 44" ist das logische Produkt eines solchen Tohuwabohus.
Das letzte was ein US-Publikum sehen möchte sind Filme, die in Russland spielen, mit einem russischen Helden und ausschließlich russischen Figuren. Das ist einfach kein Material für ein US-Publikum, selbst wenn der Film ein Meisterwerk geworden wäre. Da kann sogar ein überragender Bestseller, der in 36 Sprachen übersetzt wurde, nicht viel dran reißen: Von dem dicken Budget von 50 Millionen Dollar spielte der Film in seiner dreiwöchigen Kinoaufzeit in den Staaten schlanke 1,206 Millionen Dollar wieder ein. Wenn das mal nicht die Definiton eines Verlustgeschäftes ist.
Dass der Film so unausgegoren ist, liegt an seinem an vielen Stellen zusammengeschustert wirkenden Drehbuch. Einerseits wird die Geschichte eines ambitionierten Polizisten erzählt, der einen Kindermörder jagt, den niemand sehen will. Andererseits springt Regisseur Michael Espinosa immer wieder zu der Nebenhandlung um Leo Demodovs Ehegattin Raisa, die vorgibt schwanger zu sein, um nicht als Verräterin umgebracht zu werden. Und das tut dem Film keinerwegs gut.
Dieses ständige Hin und Her nimmt dem Zuschauer den Überblick und auch der Handlung die Spannung. Immer wenn es interessant wird, geht es plötzlich wieder um etwas anderes, so kann logischerweise keine Suspense aufrecht erhalten werden. Da können auch die hübschen und aufwändigen Sets, die mehrere Millionen Dollar verschlungen haben, nicht drüber hinwegtrösten.
"Kind 44" ist ein oberflächliches Durcheinander, das in schöne Bilder verpackt wurde. Regisseur Daniel Espinosa ist dem Projekt nicht gewachsen und scheint die ganze Zeit über zu hoffen, dass es irgendwie gutgehen könnte - tut es aber nicht. Die Handlung ist interessant, aber zu verworren erzählt. Und das obwohl Espinosa mit einer Laufzeit von 138 Minuten wohl genug Zeit hat, seine Geschichte zu sortieren. Die Darsteller liefern ordentliche Leistungen ab, können das Durcheinander aber nicht retten. Die Bilder sind hübsch, aber nicht umwerfend. Der Roman hat tendenziell das Potenzial für ein absolutes Filmmeisterwerk, aber so wird wieder einmal deutlich, dass eine gute Geschichte, überdurchschnittliche Darsteller und ein angemessenes Budget nicht ausreichen, um einen schlecht vorbereiteten Regisseur und ein mäßiges Drehbuch zu retten.

Fazit: 50 %

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