15. Oktober 2015

Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!

© X Verleh AG

Regie: Oskar Roehler
Land / Jahr: Deutschland 2015












Robert Rother (Tom Schilling) hat die Schnauze voll von den Hippies und seiner biederen Freundin, die sich ein Spießerleben mit ihm vorstellt: Studium, Kinder, Kleinstadtleben. Er geht nach West-Berlin, wo er als Punk einen Neuanfang wagen will. Doch seine Welt gerät immer mehr ins Wanken.
Wenn Regisseur Oskar Roehler eines will, dann definitiv nicht zum Mainstream gehören. Seine Filme haben "Skandal" dick und fett auf ihrer Stirn stehen. "Elementarteilchen" wurde heiß diskutiert, "Jud Süß - Film ohne Gewissen" war interessant, aber verworren. Auch der autobiographische Dreistünder "Die Quellen des Lebens" machte im Trailer noch den Eindruck eines großen Filmes. Das Ergebnis war aber unausgegoren.
Mit "Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!" bleibt Roehler seiner Linie treu. Schon wieder mit deutlichen autobiographischen Verflechtungen behaftet, erzählt Roehler eine wirre Lebensgeschichte. Es geht hier nicht um das Punkwerden oder das Punksein. Sein Film existiert in einer Parallelwelt, die den Anschein macht, historische Züge zu haben, aber immer wieder die Grenzen der Logik schamlos und ohne zu zögern durchbricht.
Und Roehler provoziert wieder mit aller Macht. Schulfreund Gries (Frederick Lau) ist schwul, aber gleichzeitig Nazi. Hitlergrüße und Hakenkreuze sind ebenso sein Ding, wie ausgepeitscht zu werden. Wenn dann noch Urin seinen zerschundenen Rücken hinterunterläuft, dann ist der Abend perfekt. Bei seiner kurzen Zivi-Station wird Robert von Fäkal-Träumen verfolgt. Das ist anders, das ist provokant, aber es ist auch ziemlich inhaltslos.
Robert wählt ein Leben ohne Ziel, sinnbildlich steht dafür auch die Handlung des Filmes, die ziellos und nahezu willkürlich umherirrt. Die schwarz/weiß-Szenen wirken generisch. "Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!" macht den Eindruck, als ob Roehler Kunst machen will, ohne zu wissen, was Kunst eigentlich ist.
Dem gegenüber steht eine wunderbar absurde Optik und tolle Schauspieler. Ausstattung und Kostüm haben ausgezeichnete Arbeit geleistet. Schauspieler Frederick Lau hat zwar nur wenige Szenen, ist aber eines der Gesichter, das mit mitunter grandiosen Leistungen nicht mehr aus der deutschen Filmlandschaft wegzudenken ist. Auch Schilling liefert eine sehr gelungene Performance ab.
Aber wie so ziemlich jeder andere Film von Roehler, so verschenkt auch "Tod den Hippies!! Es lebe der Punk!" sensationell viel Potenzial. Wären die Szenen nicht so grotesk überzogen und eine Handlung erkennbar, dann hätte der Film ein Meisterwerk des Autorenkinos werden können. Fast wie ein Werk von dem Exzentriker Rainer Werner Fassbinder, der hier auch mit einer kleinen Hommage in einem Schwulenclub bedacht wird. Im Endeffekt stehen hier aber optisch und darstellerisch überzeugendes Kino einer abstrusen Handlung gegenüber. Ein echter Roehler eben.

Fazit: 50 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen