21. Oktober 2015

Wild Tales

© EuroVideo

Regie: Damián Szifrón
Land / Jahr: Argentinien, Spanien 2014












Wenn man eine hohe Geldstrafe für das Abschleppen eines Autos zahlen muss, man den Peiniger aus Kindheitstagen wiedertrifft oder man von jemandem bei der Autofahrt beleidigt wird: Selbst den ruhigsten Menschen können die Sicherungen durchbrennen. Und wenn keine der beiden Seiten nachgeben will, dann kann die Situation auch mal eskalieren.
Sechs Kurzgeschichten mit nur einer Prämisse: Normale Menschen werden zu Tieren. Das Besondere daran ist, dass selbst wenn die einzelnen Stories immer so richtig eskalieren, wird fast jeder Zuschauer sich selbst in der ein oder anderen Situation wiedererkennen können. Irgendwann brennt jeder mal durch.
Regisseur Damián Szifrón ist gnadenlos und übertreibt maßlos, aber man kann ihm diese Ausuferungen verzeihen. Denn eigentlich übt er nur Gedankenspiele aus, die wohl jeder schon einmal hatte. "Was wäre wenn" gibt es nicht in "Wild Tales", alles wird gnadenlos durchgezogen. Das ist manchmal witzig, weil so abgedreht, aber das Grundkonzept regt zum Denken an.
Und Szifrón beweist ein sehr gutes Fingerspitzengefühl, indem er sich für die absolut beste der sechs Geschichten als Finale aussucht. Wenn die Braut auf der eigenen Hochzeit dahinterkommt, dass ihr Bräutigam sie mit einer Arbeitskollegin betrügt. Dann ist das nicht nur bitter, sondern auch extrem aufreibend und brisant. Denn die Braut lässt diese Schmach nicht über sich ergehen, sondern konfrontiert ihren Gatten und die gesamte Hochzeitsgesellschaft mit dem Thema.
Einzeln funktionieren die sechs Geschichten wunderbar und sind extrem kurzweilig. Auch zum Thema passen sie alle perfekt. Aber es gibt einfach keine guten Überschneidungen und so steht jede Kurzgeschichte für sich, ist autark und fügt nicht alles zu einem großen Ganzen zusammen, wie es die ganz großen Episodenfilme wie beispielsweise "Pulp Fiction" machen.
"Wild Tales" ist ein großer Episodenfilm mit echten Menschen in außergewöhnlichen Situationen, der Auslöser ist allerdings immer sehr geerdet. Wenn die Fäden doch nicht so lose rumhängen würden und ihre Figuren beim Ende jeder Geschichte doch nicht einfach fallengelassen würden, dann wäre "Wild Tales" sogar ausgezeichnet. Und trotz aller Übertreibungen ist diese bitterböse Sozialsatire doch sehr lebensnah.
Fazit: 75 %

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