30. November 2015

andere Heimat, Die - Chronik einer Sehnsucht

© Concorde

Regie: Edgar Reitz
Land / Jahr: Deutschland, Frankreich 2013












In den 1840er Jahren lebt Jakob Simon (Jan Dieter Schneider) in dem kleinen Dörfchen Schabbach. Der junge Mann ist jedoch von einem Traum besessen: Er würde viel lieber in den Urwäldern Brasiliens wohnen. Deswegen verschlingt er jedes Buch zu dem Thema, das er in die Finger bekommt. Doch das Schicksal hat einen anderen Plan mit ihm.
Gernot Roll ist wirklich ein Kamera-Phänomen. Der Dresdner fotografiert einerseits billigste Proll-Komödien wie beispielsweise "Die Superbullen", andererseits ist er ein echter Künstler. Ihn für das historische Drama monumentalen Ausmaßes "Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht" zu gewinnen lag auf der Hand: Roll fing schon für die beiden Vorgänger-Mini-Serien "Heimat" und "Die zweite Heimat" in den 80ern und 90ern ein. Ebenfalls für die Regie damals verantwortlich war Edgar Reitz.
Diesmal geht es in der Mitte des 19. Jahrhunderts um das entschleunigte Leben des Jakob Simon. Die Gemeinschaft in seinem Dorf ist klein, hält aber zusammen und muss sich fast ausschließlich natürlichen Widrigkeiten stellen und nur selten von Menschen geschaffenen. Die Sehnsucht nach dem fernen Brasilien wird lediglich thematisch, nicht jedoch bildlich behandelt.
Edgar Reitz ging es wieder einmal um ein Maximum an Authentizität. Er dreht in einem echten Dorf, nicht in Kulissen und der pfälzische Dialekt ist nicht immer leicht zu verstehen, wird dafür aber mit einer glaubwürdigen Konsequenz durchgezogen. Die schwarz/weiß-Optik tut ihr übriges. Was allerdings nicht so recht passen will, sie die seltenen eingefärbten Details im Stile von "Sin City". Dieses modische Stilmittel wirkt dann doch etwas fehlplaziert.
Was ebenfalls eine Zumutung für den Durchschnitts-Zuschauer ist, ist die epische Spielzeit von 231 Minuten, sprich: drei Stunden und 51 Minuten. Diese enthalten zwar viele großartige Szenen, aber auch mehrere, die komplett hätten weggelassen werden können. Eine Stunde kürzer und "Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht" wäre noch viel besser geraten.
Arthaus-Fans werden aber trotz der krassen Überlänge nicht um Edgar Reitz' "Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht" herumkommen. Dafür ist der Film viel zu gut gemacht, die schwarz/weiß-Bilder viel zu brillant komponiert. Zudem sucht das Werk in Punkto Authentizität seinesgleichen. Ein ganz besonderer Film, der aber viel Sitzfleisch und Aufmerksamkeit verlangt. Dafür gibt es aber auch einiges zurück.

Fazit: 80 %

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