10. November 2015

Beasts of No Nation

© Netflix

Regie: Cary Joji Fukunga
Land / Jahr: USA 2015












Agu (Abraham Attah) ist ein ganz gewöhnlicher Junge, bis ein Bürgerkrieg in seinem Land ausbricht. Seiner Mutter gelingt noch die Flucht, der Vater und der große Bruder fallen den Kämpfern zum Opfer. Als Agu in den Dschungel flieht, wird er von Rebellen aufgegriffen. Die wollen einen Kindersoldaten aus ihm machen.
"Beasts of No Nation" ist der erste Film, den der Internet-Filmservice gleichzeitig in seinem Portal und in den US-Kinos veröffentlichte. Dabei beweist der Online-Gigant ziemlich viel Courage, schließlich ist der Antikriegsfilm alles andere, als eine typische Hollywood-Produktion. Klar, mit Idris Elba spielt eine echte Film-Größemit und die Optik ist auch alles andere als billig, aber das Thema ist weit weg von Amerikas typischen Helden-Epen.
Es geht um einen kleinen Jungen, der eigentlich nur mit seiner Familie ein schönes Leben in seinem afrikanischen Heimatland verbringen will. Aber der Bürgerkrieg zerstört alles. Der kleine Agu verliert seine Familie und findet eine neue: Eine gnadenlose Rebellenarmee, die aus ihm einen ebenso kaltblütigen Killer machen will - natürlich nur weil die Soldaten glauben, für eine gerechte Sache ihre Waffen zu heben.
Der Mann hinter dem packenden Kriegs-Drama ist Cary Joji Fukunga, der sich mit "Sin Nombre" und der Bronte-Verfilmung "Jane Eyre" einen Namen macht. Bei dieser Produktion hat er alle sprichwörtlichen Fäden in der Hand und hat neben der Drehbuch-Adaption auch Regie geführt und zeichnet sich ebenfalls als Produzent und Kameramann verantwortlich. Das Multitalent drehte "Beasts of No Nation" auf dem afrikanischen Kontinent in Ghana und erkrankte während der Dreharbeiten sogar an Malaria.
Ebenso körperlich anstrengend ist der Film. Und das soll keineswegs bedeuten, dass er langweilig oder schlecht wäre, sondern, dass das Gezeigte bedrückend ehrlich und traurig ist und den Zuschauer wirklich mitnimmt - auch wenn hier und da kleine menschliche Momente für Hoffnung sorgen. Das Beste an diesem überzeugenden Kriegsgeschehen sind aber die Darsteller, allen voran der junge Abraham Attah, der sogar dem Hollywood-erfahrenen Idris Elba die Show stiehlt.
"Beasts of No Nation" ist eine wunderbar unamerikanische Produktion mit höchster gesellschaftlicher Relevanz. Obwohl der Film sehr packend erzählt ist und optisch einige exzenllente Szenen bietet, verherrlicht er niemals seine Figuren oder das Kriegstreiben. Wenn Netflix weiter solchen Perlen die Weiterverbreitung ermöglicht, dann könnte das eine echte Liebesgeschichte zwischen Cineasten und der Internet-Filmplattform werden.

Fazit: 80 %

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