2. November 2015

Er ist wieder da

© Constantin

Regie: David Wnendt
Land / Jahr: Deutschland 2015












Es ist das Jahr 2014 als Adolf Hitler in Berlin erwacht. Als er versteht, dass sich in seiner knapp 70 jährigen Abwesenheit eine Menge in Deutschland geändert hat, versucht er mit einem Auftritt in einer Internet-Sendung erneut die Massen auf seine Seite zu ziehen.
"Er ist wieder da" bemerkt Regisseur David Wnendt und erzählt eine Geschichte über eine der meist gehassten historischen Figuren aller Zeiten. In Bezug auf Hitlers stetige Präsenz in den Medien und Geschichtsbüchern kann man nur sagen: Er ist nie weg gewesen. Physisch gibt es den deutschen Diktator allerdings schon lange nicht mehr. In dieser Satire kommt er plötzlich aus dem Nichts und weil das schwer zu begründen ist, wird es auch gar nicht versucht. Wenigstens sein Abgang ist einigermaßen gelungen.
Wnendt hat sich mittlerweile einen Namen als Regisseur für kontrovorse Bestseller gemacht, seine Adaption von Charlotte Roches Tabu-Roman "Feuchtgebiete" lockte knapp eine Million Zuschauer in die deutschen Kinos. Damals war vor allem der Name der Autorin das Zugpferd, jetzt ist es vor allem Deutschlands berüchtigter Ex-Diktator.
Auffällig ist dabei vor allem, dass bei vielen Kritikern weniger die Handlung des Film, sondern die Legitimität des Ganzen im Fokus steht: sie stellten die Frage zur Diskussion, ob man einen Film wie diesen machen darf. Erstaunlich daran: Es sind dieselben Leute, die sich noch ein Jahr vorher für das Werk der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo" und die Presse- und Kunstfreiheit im Allgemeinen einsetzten. Das ist nicht nur inkonsequent, sondern vor allem heuchlerisch - aber so ist das nunmal in Deutschland.
Dabei gibt es neben vielen positiven Momentan auch genügend Negatives, was an "Er ist wieder da" kritisiert werden kann. Was Wnendt machen kann, ist Hitler als kritischen Beobachter hinzustellen, der auch mal recht hat. Wenn Hitler beispielsweise die Qualität des TV-Programmes als erschreckend schlecht erkennt. Was man allerdings nicht machen kann, ist den Diktator mitunter als amüsanten Zeitgenossen darzustellen. Oftmals lacht man mit Hitler, nicht über ihn.
Selten hat es ein Film so leicht gemacht dem Zuschauer beide Möglichkeiten zu geben: ihn zu lieben oder zu hassen. Viele satirische Momente sind Volltreffer und keineswegs seicht, sondern bitterböse. Die Verarsche von NPD-Mann Ulf Birne ist eine amüsante Demaskierung von Ex-NPD Chef Holger Apfel. Aber die Anzahl an weniger gelungenen Szenen ist ebenso beträchtlich; läuft auf ein Unentschieden hinaus. Wnendt hat einen innovativen Film gemacht, der aber vor allem im letzten Drittel einige Längen hat, bis er endlich sein gut durchdachtes Ende findet.

Fazit: 55 %

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