22. November 2015

Hitchcock/Truffaut

© Cohen

Regie: Kent Jones
Land / Jahr: Frankreich, USA 2015












Alfred Hitchcock ist einer der großen Regie-Helden für die Filmfans der Cahiers du Cinéma. Einer seiner Bewunderer ist der junge Filmemacher Francois Truffaut, der für die Recherche zu einem Buch über Hitchcock ein 50-stündiges Interview über das komplette Werk des britischen Genies führt.
50 Stunden lang durfte Francois Truffaut seinem Idol Fragen zu jedem von dessen Filmen stellen. Das Ergebnis ist das Buch "Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?", das eines der wichtigsten und besten Bücher zum Medium Film ist und das jeder Cineast gelesen haben muss. Selten konnte man auf so amüsante Art und Weise so viel über eine Kunstform lernen.
Diese Dokumentation erzählt nun die Geschichte dieses Interviews, durchbricht aber oft die Mission, um viele einzelne Beispiele für Hitchcocks Genie zu liefern. Von dem Interview selbst oder generell von Filmaufnahmen, die beide Regisseure gemeinsam zeigen, musste man auf das wenige existierende Archivmaterial zurückgreifen.
Was "Hitchcock/Truffaut" leider verpasst, ist noch genauer auf das eigentliche Interview und den Zeitpunkt einzugehen, zu dem es geführt wurde. Vor allem was den manischen Cineasten Francois Truffaut betrifft, hätte noch viel genauer auf dessen Stellung in der damaligen Filmwelt eingegangen werden müssen.
Was allerdings gut funktioniert ist der Kontrast. Regisseur Kent Jones stellt die beiden Meister ihres Faches vor. Der schmächtige junge Franzose, dessen Werk zu dem Interview-Zeitpunkt drei Filme umfasst und der bei Dreharbeiten gerne improvisiert, sitzt einem dicken Briten gegenüber, der bis dato bei 40 Filmen Regie geführt hat und der akribisch plant und nichts dem Zufall bei seinen Filmdrehs überlässt.
Abgerundet wird das von der Bewunderung zeitgenössischer Regisseure wie Martin Scorsese, Was Anderson oder David Fincher, die ihre Faszination für Hitchcock mit persönlichen Beispielen erläutern.
"Hitchcock/Truffaut" ist ein mit knapp 80 Minuten viel zu kurzes historisches Dokument über einen der größten Momente der Filmgeschichte. Dabei wird ein wenig zu viel Gewicht auf Hitchcocks Stil und ein bisschen zu wenig auf Truffauts Bewunderung gelegt. Während der Buch pingelig genau jeden Film chronologisch abarbeitet, springt die Doku in der Zeit. Trotz aller Makel bringt "Hitchcock"Truffaut" das auf den Punkt, wofür "Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?" steht: Die bedingungslose Liebe nach dem Medium Film. Und deswegen stört es auch nicht, dass dieses Filmdokument überhaupt nicht kritisch ist.

Fazit: 75 %

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