5. November 2015

Ich seh, ich seh

© Koch Media

Regie: Severin Fiala, Veronika Franz
Land / Jahr: Österreich 2014












Ein Jungentraum wird für die Brüder Lukas (Lukas Schwarz) und Elias (Elias Schwarz) wahr: Mutti ist wegen einer Gesichts-OP für ein paar Tage im Krankenhaus und die beiden Kinder haben das Haus allein für sich. Als das Familienoberhaupt allerdings zurückkehrt, hat sich die liebevolle Frau völlig verändert. Lukas und Elias wollen nur noch entkommen.
Österreich hat einen Horrorverschnitt als seinen Beitrag für den Auslandsoscar eingereicht. Das ist nicht nur ungewöhnlich, weil kaum deutschsprachige Horrorfilme produziert werden. Sondern auch weil dieses Genre für gewöhnlich nicht in der Gunst der Kritiker steht. Qualität und Horror: Das passt für normalerweise nicht zusammen.
Doch ein Name, der relativ klein auf dem Filmplakat zu lesen ist, ist einer der Qualitätsgaranten aus dem Nachbarland: Ulrich Seidl, der mit seiner verstörenden "Paradies"-Trilogie und dem erstklassigen "Hundstage" zu den größten österreichischen Gegenwartsregisseuren gehört. Und ein Touch davon ist auch in "Ich seh, ich seh" zu spüren.
Nicht aber in der optischen Umsetzung. Während Seidls Filme befremdlich unschön und pseudo-dokumentarisch sind, ist "Ich seh, ich seh" eine Hochglanz-Produktion. Künstlerische Bilder, aufwendige Kameraeinstellungen, eindringliche Lichtsetzung: Dieser düstere Beitrag macht auch dem Auge Spaß.
Und inhaltlich kriegt das Regie-Duo es hin, seinen Film sowohl spannend, als auch clever zu erzählen. Die Atmosphäre ist dicht und beklemmend. Das liegt vor allem daran, dass bis zu den letzten Minuten überhaupt nicht klar ist, wie die Dinge liegen. Die Auflösung, die dann geliefert wird, ist intelligent und nachvollziehbar. Nicht das ganz große Ding alá "The sixth Sense", aber wenigstens genauso logisch.
"Kevin -Allein zu Haus" einmal anders: Diesmal sind es nicht Verbrecher, die von außen in das Haus eindringen wollen. Die Bedrohung kommt hier aus dem Inneren. Das fesselt, weil es spannend inszeniert ist. Und am Ende ist die Auflösung zufriedenstellend, weil der Zuschauer nicht das Gefühl hat mit billigen Tricks an der Nase herumgeführt worden zu sein. Gerade für das qualitätsrare Horrorgenre ist "Ich seh, ich seh" ein erfreulich frischer Wind.

Fazit: 70 %

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