16. November 2015

It Follows

© Weltkino

Regie: David Robert Mitchell
Land / Jahr: USA 2014











Jay (Maika Monroe) glaubt ein ganz normales Date mit einem ganz normalen Typen zu haben, doch Hugh (Jake Weary) hat anderes im Sinn, als das Herz der jungen Frau zu gewinnen. Er wird von einer mörderischen Kreatur verfolgt, die nur er sehen kann. Und diesen Schrecken will er auf Jay übertragen.
Lächerliche zwei Millionen Dollar hat dieser US-Schocker gekostet, für so wenig Geld schalten andere Regisseure noch nicht einmal die Kamera an. David Robert Mitchell hat aus diesem, für amerikanische Verhältnisse, Mikro-Budget aber Großes gemacht: "It Follows" ist definitiv kein Horrorfilm wieder jeder andere.
Was hier geboten wird ist eine, für Genre-Verhältnisse, clevere Geschichte rund um eine düstere Kreatur, die wie eine Geschlechtskrankheit weitergegeben wird. Zwar ist man selbst von den Verfolgungen "geheilt", sollte das Opfer, dem man jetzt den Schwarzen Peter zugesteckt hat, allerdings sterben, dann kommt "Es" wieder zurück. Diese Kette ist nicht aufzuhalten und gerade darin liegt der besondere Reiz.
Denn der Überträger sollte ein gewisses Interesse daran haben, dass der neue Wirt gut gebrieft ist, ansonsten hat man nicht lange Freude daran, den Schrecken loszusein. Auch wie die Figuren insgesamt mit der übersinnlichen Kraft umgehen, ist wohl überlegt von Mitchell: Er lässt sie miteinander reden, macht sie misstrauisch, lässt sie an konstruktiven Lösungen arbeiten. Es geht nicht darum, dass hier jemand wegläuft und Leichen dessen Weg pflastern.
Ebenso unkonventionell ist die Umsetzung. Die Kameraeinstellungen sind kreativ, aber niemals aufdringlich künstlerisch. Es gibt ungewöhnliche Bilder, ohne dass jemals vergessen wird, worum es hier wirklich geht: Nämlich darum mit einem Horrorfilm dem Zuschauer einen ordentlichen Schrecken einzujagen.
Der Bruch mit den Klischees, sei es inhaltlich sowie auch von der Inszenierung her, ist extrem willkommen in einem Genre, auf dem schon eine meterdicke Staubschicht liegt. "It Follows" funktioniert, macht Spaß und ist gut durchdacht. Die Freigabe ab zwölf Jahren seitens der FSK grenzt allerdings an Körperverletzung. Für ein Kind dieses Alters - oder auch kleinere Kinder, schließlich dürfen schon Sechsjährige in Begleitung der Eltern den Film sehen - ist "It Follows" viel zu unheimlich und absolut ungeeignet, auch wenn Gewaltszenen auf ein Minimum runtergeschraubt wurden. "It Follows" ist einer der besten echten Horrorfilme der letzten Jahre und hat einen Touch des Graphic Novels "Black Hole" von Charles Burns, der sich schon seit Jahren in Hollywoods Warteschlange befindet.

Fazit: 70 %

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