3. Dezember 2015

Am grünen Rand der Welt

© 20th Century Fox

Regie: Thomas Vinterberg
Land / Jahr: USA, Großbritannien 2015












England, Mitte des 19. Jahrhunderts: Bathsheba Everdene (Carey Mulligan) ist eine eigenständige Frau, die durch ein Erbe zu Geld kommt. Sie ist zwar nicht auf der Suche nach einem Mann, wird aber von drei völlig unterschiedlichen Herren umworben. Gabriel Oak (Matthias Schoenaerts) ist ein Schaafshirte, Frank Troy (Tom Sturridge) ist Soldat und William Boldwood (Michael Sheen) ein wohlhabender Junggeselle.
Der dänische Filmemacher Thomas Vinterberg ist ein absolutes Phänomen, ein regelrechtes Regie-Chamäleon. Bekannt wurde er als Teil der berühmten Filmbewegung "Dogma 95". 1998 brachte er "Das Fest" in die Kinos, ein Film, der den Dogma-Regeln entsprechend unter anderem ohne künstliche Beleuchtung, Musik aus dem Off oder Kamerastative auskommt. Für dieses revolutionäre Filmemachen wurde Vinterberg mit Preisen regelrecht beworfen.
Danach bricht er immer mehr aus dem Dogma-Schema heraus, verletzt die Regeln einer von ihm selbst erschaffenen Filmbewegung. Mit "Die Jagd" bringt er einen extrem interessanten Thriller in die Kinos und beweist, dass er auch Hochglanz-Spannung kann. Und mit "Am grünen Rand der Welt" betritt er schon wieder Neuland. Einen romantischen Roman zu adaptieren, das passt eigentlich gar nicht zu Vinterberg. Aber mit dieser Inszenierung landet er endlich wieder einen Volltreffer.
Und sein Ausnahmetalent kann er in diesem Film auf die meisten seiner Schauspieler übertragen. Cary Mulligan liefert eine sehr gut Performance ab, der Belgier Matthias Schoenaerts sogar eine ausgezeichnete. Selten wurde in den vergangenen Jahren eine Figur auf die Leinwand gebracht, der man die Zuneigung zu einer anderen Figur derart abnahm.
Und das Schöne ist bei Vinterberg, dass er es schafft trotz aufwändiger Kostüme und Beleuchtung, den Kitsch auszugrenzen. Mit "Am grünen Rand der Welt" beweist er sein außergewöhnliches Gespür für Atmosphäre, gepart mit einer geschmackvollen Stilsicherheit. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass "Am grünen Rand der Welt" ein zeitgenössischer Roman ist, schrieb ihn Thomas Hardy doch im Jahre 1874, als Königin Viktoria tatsächlich aus dem englischen Thron saß.
Zwischen mittelprächtigen Filmen schafft es Thomas Vinterberg mit jedem dritten Werk ein echtes Meisterwerk zu drehen und seine Adaption von "Am grünen Rand der Welt" ist verdammt nah an diesem Status dran. Während viele Filme zu lang sind, gehört dieses romantische Drama zuder seltenen Gattung zu kurz zu sein: besonders das Finale ein gutes Stück länger hätte dauern können. Makellos sind aber einige der schauspielerischen Leistungen, allen voran Matthias Schoenaerts. Zwar beerdigt Vinterberg die "Dogma"-Bewegung mit diesem absoluten Stil-Gegenteil. Aber wenn das Ergebnis so überzeugend ist, dann sei ihm verziehen.

Fazit: 80%

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