14. Dezember 2015

Bridge of Spies - Der Unterhändler

© 20th Century Fox

Regie: Steven Spielberg
Land / Jahr: USA, Deutschland 2015












Während des Kalten Krieges bekommt der US-Anwalt James B. Donovan (Tom Hanks) eine ganz spezielle Aufgabe: Er soll einen russischen Agenten vor Gericht verteidigen. Als die Sowjets dann einen US-Soldaten in ihre Finger bekommen, bekommt die Mission einen neuen Dreh. Soldat gegen Soldat, lautet das Vorhaben und Donovan soll es in Ostberlin durchringen.
Es ist schon erstaunlich, was man heutzutage mit 40 Millionen Dollar optisch so alles hinbekommt. Steven Spielbergs "Bridge of Spies" vermittelt den Eindruck er habe mindestens das dreifache gekostet. Allein die Eröffnungsszene, in der die Kamera ohne Schnitt in einer US-U-Bahn-Station hin- und herschwenkt: Alles sieht aus wie in den späten 50ern. Hunderte von Komparsen sind stilecht gekleidet, die komplette Umgebung perfekt eingerichtet. Ein Aufwand, der in fast jeder einzelnen Szene des Filmes zu bemerken ist.
Dabei ist es vor allem die Selbstverständlichkeit, die alles so realistisch macht. Denn Steven Spielberg prahlt nicht mit all den schönen Kleinigkeiten, die seine Sets so besonders machen. Er nimmt sie als logische Konsequenz für die Handlung seines Filmes hin und so vermitteln sie ebenfalls diesen Eindruck, als wäre ein 50er-Jahre-Film ohne eine makellose Ausstattung gar nicht möglich.
Alles detailgetreu aufgebaut, das macht es natürlich auch den Darstellern leicht, sich in dieser Zeit zurechtzufinden. Jede Performance ist mindestens gut, Russenspion Rudolf Abel (Mark Rylance) liefert die beste Leistung dieser wunderbaren Cast ab. Und es sind einige Schauspieler, die in diesem Spionage-Thriller vor die Kamera treten.
Aber "Bridge of Spies" hat ein richtig dickes Problem. Während alle Kritiker voll des Lobes für Spielbergs "Schindlers Liste" waren, hatte Regisseur Michael Haneke einiges zu bemängeln. Aus der Duschszene einen Suspense-Moment zu machen, das sei nicht angemessen, monierte der Humanist. Es gehe um Menschenleben, da wäre diese Regie-Entscheidung völlig daplaziert. Und auch "Bridge of Spies" hat leider einige dramarturgisch-moralische Fehler dieser Art.
Während der Russen-Spion in den US-Gefängnissen wie ein Mensch behandelt wird, so müssen die Roten den Ami natürlich foltern. Dafür hat sich Spielberg auch die möglichst hässlichsten Darsteller ausgesucht und sie in die Uniform der Roten Armee gesteckt. Und warum gibt es diese Szene, in der gezeigt wird, wie amerikanische Kinder in der Schule im Umgang mit der Atombombe geschult werden? Die Russen sind nicht diejenigen gewesen, die zwei Atombomben auf Japan geworfen haben. Es ist völlig unangebracht, die USA als Opfer zu stilisieren. Sie sind die Täter! Es müssten russische Kinder sein, die sich vor der wesentlich realeren Bedrohung durch US-Bomben fürchten.
Dieses Problem zieht sich durch den gesamten Film, der ganz klar Position bezieht und keinen Platz für eine eigene Meinung lässt. Die DDR wird nur als obskure Marionette der Russen gezeichnet, die Russen selbst sind der Bösewicht in dieser Geschichte. Aber es gibt da diesen großartigen Amerikaner, der nicht nur einen Soldaten tauschen will, sondern noch einen Studenten obendrauf verlangt. Der Kapitalist muss eben Gewinn machen, um als deutlicher Sieger aus diesem Tauschgeschäft herauszukommen.
"Bridge of Spies" ist ein überaus interessanter, aber nur selten richtig spannender Film, der Zeitgeschichte heuchelt. Optisch gibt es alles, was einen echten Spielberg ausmacht: Kostüme und Ausstattung sind ausgezeichnet, die Darsteller überzeugen, Kamera und Regie sind kreativ. Allerdings sei vor dieser Einseitigkeit gewarnt, die extrem pathetisch, in den meisten Szenen aber sehr unterschwellig Stellung bezieht. Der historische Mehrwert ist doch mit Vorsicht zu beachten.

Fazit: 75 %

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