5. Dezember 2015

Green Inferno, The

© Constantin

Regie: Eli Roth
Land / Jahr: Chile, USA 2013












In ihrem ersten Jahr an der Uni möchte die Studentin Justine (Lorenza Izzo) etwas Sinnvolles machen und schließt sich einer Gruppe Amazonas-Aktivisten an. Bei einer Reise in die Urwälder Südamerikas stürzt das Flugzeug der Umwelt-Fanatiker ab und die jungen Menschen geraten auf die Speisekarte von Kannibalen.

Ein fragwürdiges Privileg
Regisseur Eli Roth ist Horrorfilm-Fan und darf irgendwie jedem Subgenre eine kleine Hommage liefern. "Knock Knock" huldigt dem Home-Invasion-Thriller, "Hostel" ist Torture Porn und "Cabin Fever" schockiert in den Backwoods der USA. Warum Roth dieses Privileg genießt, ist allerdings ein Rätsel, rangieren alle seine Filme doch in der unteren Qualitätshälfte. Mit "The Green Inferno" liefert er seinen vielleicht schlechtesten Film ab.
"The Green Inferno" feiert den Kannibalenfilm der späten 70er, frühen 80er. Die Anspielungen an die kontroversesten, der meist italienischen Schocker sind unverkennbar. So erinnern die aufgespießten Menschen an "Cannibal Holocaust" aka "Nackt und zerfleischt", dessen Regisseur Ruggero Deodato dieser Film gewidmet ist, die Genital-Verstümmelung weckt Erinnerungen an "Die Rache der Kannibalen". "Lebendig gefressen", "Jungfrau unter Kannibalen" oder "Die weiße Göttin der Kannibalen", Roth stellt unter Beweis sie alle gesehen zu haben.
Bis auf ein paar krasse, aber rar gesäte Gewaltszenen hat Roths grünes Inferno aber wenig mit den in vielen Ländern (so auch in Deutschland) unter Totalverbot stehenden Kannibalen-Filmen gemein. Während in den Werken aus der Hochzeit des Subgenres die Menschen aufgrund der Hitze schwitzen, so sieht in "The Green Inferno" jede Figur so aus, als käme sie gerade frisch aus der Dusche. Das Make-Up und die Haare sitzen immer perfekt, die Kleidung sieht gewollt dreckig aus.
Diese unglaubwürdige Optik setzt sich auch in der Kameraarbeit fort: Es wurde kaum bis gar nicht beleuchtet, die Digitalkamera macht billigste TV-Bilder. "The Green Inferno" sieht aus wie eine Folge "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" - mit Kannibalen.
Zudem sind die inhaltlichen Wendungen schwachsinnig. Warum quälen die Kannibalen ihre Opfer, wir foltern doch auch nicht unser Schwein, bevor wir es zum Schnitzel verarbeiten? Was soll die Szene, in der sich der westliche "Bösewicht" in dem Käfig mit sich sebst vergnügt? Und ist es wirklich Roth Ernst, dass die Zuneigung des kleinen Mädchens durch eine Flöte begründet ist? Wie hilfreich ist es für die Handlung eine Frau beim Durchfall zu betrachten? Die Liste der Sinnlosigkeiten ist endlos lang.

Erschreckende Gleichgültigkeit
Das Allerschlimmste ist aber, dass man keine Sekunde mit den Figuren leidet. Selbst die Hauptfigur, Studentin Justine, ist vollkommen unsympathisch. Da werden den wichtigsten Figuren der Geschichte die übelsten Grausamkeiten angetan und es ist weder spannend noch stört es auch nur im Geringsten. Dem Dicken werden die Augen herausgerissen und die Gliedmaßen einzeln abgehackt und den Zuschauer lässt das völlig kalt.
Eli Roth beweist mit "The Green Inferno", dass er zwar ein großer Fan des Horror-Genres ist, aber keinerlei Ahnung hat, wie man einen solchen Film inszeniert. Der billig aussehende Kannibalen-Schocker ist zu keiner Sekunde spannend, das Schicksal aller Figuren ist dem Zuschauer vollkommen egal. Regie und Darseller bewegen sich auf dem untersten Qualitäts-Standard. Das Einzige, was überzeugen kann, sind die aufwändigen und hübsch bunten Kannibalen. Die Gewaltszenen sind zwar heftig, aber rar gesät.

Fazit: 25 %

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