30. Dezember 2015

Heil

© X Verleih

Regie: Dietrich Brüggemann
Land / Jahr: Deutschland 2015












Der berühmte afrodeutsche Polit-Autor Sebastian Klein (Jerry Hoffmann) verliert auf einer Lesereise sein Gedächtnis. Das will Sven (Benno Fürmann), der Kopf einer rechtsextremen Gruppierung, gleich für seine Zwecke ausnutzen, um sich Gehör in Deutschland zu verschaffen.
Es ist kaum zu glauben: Regisseur Dietrich Brüggemann hat den anspruchsvollen "Kreuzweg" gemacht. Einen Film mit einem interessanten Ansatz und einer einfallsreichen und stilsicheren Inszenierung. Für seine Nazi-Komödie "Heil" wirft er aber alles, gänzlich alles weg, was er sich erarbeitet hat. Die Mission Brüggemanns schimmert langsam durch: Er will anscheinend lieber mit populistisch-unterhaltsamen Filmen Geld und Karriere machen und hat keinerlei Interesse an seinem künstlerischen Ruf.
Aber ihn trifft noch nicht einmal die alleinige Schuld an der Katastrophe "Heil". Das Drehbuch ist so primitiv, so inhaltlich leer, nahezu gänzlich unlustig, voller niveauloser Dialoge, deren miserable Qualität nur noch von den Figuren übertroffen wird, sodass jeder minimal erfahrene Produzent die Finger davon gelassen hätte. Ein Projekt ohne jegliches Potential, eine filmische Totgeburt.
Die Grundhandlung ist frei von jeglichem Menschenverstand: Ein afrodeutscher Intellektueller bekommt einen Schlag auf den Kopf und wird dann von Rechten benutzt. Das ist Komik auf dem Level von "Tom und Jerry". Und es bleibt nicht bei diesem einen Schlag, diese Slapstick-Groteske zieht sich durch den gesamten Film. Die Handlung hat keine Logiklöcher, sie ist nahezu logikfrei und völlig verworren. Es gibt unzählige Wendungen, die sich jeder Grundschüler besser ausgedacht hätte.
Und dann noch die Figuren. Da scheinen einige Darsteller, die eigentlich sicher sind bei ihrer Rollenwahl, eine Filmsensation gerochen zu haben, die allerdings völlig nach hinten losging. Die Nazis sind hier strohdumm - das wird wenige überraschen - alle anderen Figuren allerdings auch. So dumm, so übertrieben einfältig, dass die Intention des Regisseurs gar nicht deutlich wird.
Aber es gibt da einige Filmemacher, besonders im US-Raum, die wenn sie schon Sinn und Verstand zu Gunsten von primitiver Unterhaltung opfern, dann wenigstens bei Laune halten. Filme, die blöd, aber richtig witzig sind. Aber gerade da versagt "Heil" vollends. Es gibt keine einzige, nicht eine, lustige Szene. Kein guter Gag steht im Drehbuch.
"Heil" ist das Synonym für die langatmigsten und sinnfreisten 102 Minuten des Filmjahres 2015. Die deutsche Antwort auf die holländischen "New Kids"-Filme. Allerdings wäre es für Dietrich Brüggemann besser gewesen, hätte eher etwas in Richtung "Er ist wieder da" gemacht, bei dem gezeigt wird wie man sich dem Thema mit Cleverness nähert. Oder wie man lustig ist. Oder beides. Oder wenigstens minimal ein ganz kleines Stückchen von einem von beiden.

Fazit: 20 %

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