15. Dezember 2015

True Story - Spiel um Macht

© 20th Century Fox

Regie: Rupert Goold
Land / Jahr: USA 2015












Michael Finkel (Jonah Hill) gehört zu den besten Reportern, die für die "Times" schreiben. Aber um eine Geschichte zu dramatisieren, beginnt er Fakten zu "optimieren". Das kostet ihn seinen Job. Als er versucht bei einer anderen Zeitung unterzukommen, erfährt er von dem Familienkiller Christian Longo (James Franco) - der sich stets als Michael Finkel ausgab.
Basierend auf dem Memoir "True Story" bringt Regisseur Rupert Goold die wahre Geschichte von einem gefallenen Super-Reporter auf die Leinwand, dem sich die Möglichkeit bietet, exklusiv eine Mega-Story zu bekommen - denn der Killer Christian Longo will nur mit seinem Vorbild sprechen. Seine einzige Bedingung: Michael muss dem Häftling das journalistische Schreiben beibringen.
Dabei ist nicht ganz klar, worauf Rupert Goold seinen Fokus legt. Ein Thriller ist "True Story" nicht wirklich, schließlich sitzt Christian Longo bereits nach einer Viertelstunde bereits hinter Gittern und zeigt sich keineswegs bemüht, der Gefangenschaft zu entkommen. Bleibt lediglich die Frage: Ist es Longo tatsächlich gewesen oder ist er unschuldig? Oder geht es um die Beziehung der beiden Männer, die beide Freundlichkeit heucheln, aber eigentlich nur auf den eigenen Vorteil aus sind?
Die Antwort ist wenig befriedigend: Es ist eine Mischung aus allem. Und leider wird keiner der Aspekte konsequent zu Ende geführt. Ein Duell zwischen zwei völlig unterschiedlichen Männern ist "True Story" ebenfalls nicht, denn dafür befinden sich die beiden Herren nicht auf Augenhöhe. Von dem Inhaftierten geht keine Gefahr aus. Einerseits ist er zu dumm, andererseits aufgrund des Gewahrsams nicht in der Lage physische Gewalt anzuwenden. Und drittens gehen die Leistungen der beiden Darsteller stellenweise zu weit auseinander.
Denn Jonah Hill beweist wieder einmal, dass er mehr drauf hat als alberne Teenie-Komödien. Der Dicke spielt überzeugend den gebildeten und in Wirklichkeit eher dünnen Enthüllungs-Journalisten. Ihm gegenüber ist ein James Franco, der mit seinem müden Blick möglichst gut den Psychopaten mimen will, dabei aber lediglich aussieht, als würde er gleich mit dem Kopf auf den Tisch knallen und einschlafen. Franco spielt dabei nicht schlecht, aber eines hat er mit der Mann gemein, den er verkörpert: Er kann dem Schreiberling nicht das Wasser reichen.
So bleibt ein überaus interessanter, aber nur selten spannender Film, der mehr Drama ist als Thriller - obwohl er lieber letzteres wäre. Ein, zwei Wendungen können fesseln, die Geschichte ist insgesamt gelungen, ganz einfach weil sie wahr ist und Jonah Hill macht Spaß. Ein Scoop ist "True Story" aber keineswegs, dazu versteht Regisseur Rupert Goold sein Handwerk einfach nicht gut genug.

Fazit: 65 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen