24. Januar 2016

Bone Tomahawk

© Constantin

Regie: S. Craig Zahler
Land / Jahr: USA 2015












Die Ärztin Samantha O'Dwyer (Lili Simmons) wird von menschenfressenden Höhlenmenschen aus einer kleinen Westernstadt entführt. Ihr Ehemann Arthur (Patrick Wilson), Sheriff Franklin Hunt (Kurt Russell), der gnadenlose Indianer-Jäger Brooder (Matthew Fox) und der einfältige Hilfs-Sheriff Chicory (Richard Jenkins) machen sich auf die Suche nach ihr.
Aus dem schwärzestens aller schwarzen Nichtse kam "Bone Tomahawk" ans Tageslicht. Ein für Hollywood-Verhältnisse nahezu lächerliches Budget von 1,8 Millionen Dollar und ein völlig unbekannter Regisseur namens S. Craig Zahler sprachen auch nicht unbedingt für diese Independent-Produktion. Das Ergebnis ist aber aufgrund dieser Umstände mehr als überraschend: "Bone Tomahawk" ist trotz seiner wenig innovativen Story einfallsreiches Kino für Erwachsene.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Eine Frau wird entführt, eine Gruppe Männer versucht sie zu retten. Was hier aber zählt sind das Drumherum und das Wie. S. Craig Zahler erzählt mit einer unglaublichen Ruhe seine äußerst deftige Geschichte. Immer wieder lässt er seine Figuren über Belanglosigkeiten sprechen, was allerdings vollkommen dazu beiträgt, die Figuren besser zu verstehen und niemals langweilig oder albern wirkt.
Dazu kommt dieser grimmig-trashige Touch. Nicht dieser Billig-Trash, der darauf abzielt. Sondern echter schmutziger Kult-Trash, wie er in den vergangenen 20 Jahren nur noch ganz selten gepaart mit hoher Qualität auf die Leinwände kam. "Bone Tomahawk" wirkt teilweise so, als wäre er direkt nach "Die Klapperschlange" oder "Das Ding aus einer anderen Welt" produziert worden. Das macht Regisseur Zahler auch schnell deutlich als direkt in der ersten Sequenz einem auf dem Boden liegenden Mann ein Messer in den Hals gedrückt wird und dieser versucht, irgendwie mit dem Leben davon zu kommen.
Insgesamt gibt es eine Menge solcher Grausamkeiten, die immer extrem blutig sind, aber bestens in die Geschichte und die Atmosphäre passen. Der einzige Grund, warum "Bone Tomahawk" es unzensiert nach Deutschland schaffte ist, dass die Kamera nicht in Nahaufnahmen die Gräueltaten zeigt und sie auch nicht minutenlang zelebriert. Meistens ist das Blutbad nach wenigen Sekunden angerichtet und es kommt der Schnitt zur nächsten Szene.
Weiterer Pluspunkt sind die Troglodyten. Die bitte was? Ja es hat schon seinen Reiz wenn diese Höhlenmenschen, die einst der antike Schreiber Herodot in seinen Geschichten erwähnte, ihre todbringenden Waffen schwingen. Sie heulen wie Tiere, sehen furcherregend aus und verspeisen ihre Opfer gerne in Höhlen. Sie verleihen diesem Rache-Western einen richtigen Horrorcharme, wie ihn vielleicht noch "Ravenous" hatte.
"Bone Tomahawk" ist ein absolut sehenswerter Film, weil aus einem Mini-Budget echte Erwachsenen-Unterhaltung mit Qualität und einem gewissen Anspruch geschaffen wurde. Neben Kurt Russell, der ausgezeichnet in diese Rolle passt, gefällt sogar Patrick Wilson. Davon bitte mehr Herr Zahler!

Fazit: 70 %

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