25. Januar 2016

Brooklyn

© 20th Century Fox

Regie: John Crowley
Land / Jahr: Irland, Großbritannien, Kanada 2015












Da es in Irland keine Arbeit gibt, wandert die junge Eilis (Saorise Ronan) 1951 in die USA aus. Sie kommt im New Yorker Stadtteil Brooklyn unter, wo sie den Italiener Tony (Emory Cohen) kennenlernt. Schnell weicht das Heimweh der Liebe, doch bei ihrem Trip zurück in die alte Heimat ist Eilis hin- und hergerissen, wo ihre Zukunft liegt.
Es müssen nicht immer gewollt viele Probleme wie Mord, Totschlag, Betrug und Verrat in ein Drehbuch gebaut werden, um einen Film interessanter zu machen. Manchmal reichen auch kleine Schmerzen in der Seele. Genauso wunderbar unaufgeregt ist "Brooklyn", der ohne eine künstliche Überdosis Thrill auskommt.
Der Zuschauer begleitet die schüchterne und zurückhaltende Eilis in eine völlig fremde neue Welt. Das einzige was ihr in die Karten spielt: Sie muss keine neue Sprache lernen. Dafür plagen sie die Erinnerungen an Zuhause, an ihre Mutter und Schwester. Für diese Rolle, die fast den gesamten Film trägt, hat John Crowley eine ausgezeichnete Wahl getroffen: Die 21-jährige Saoirse Ronan. Für die ist Brooklyn tatsächlich gar nicht so fremd, denn sie ist nur 25 Kilometer entfernt geboren: In der Bronx. Und aufgewachsen ist sie in Irland.
Die junge Frau, die 2013 noch den abgrundtief schlechten "Seelen" gemacht hat und dabei mit einer schwachen Performance "glänzte", liefert diesmal eine sehr, sehr gute, wenn auch nicht grandiose Leistung ab. Ronan trägt den ganzen Film und lässt dabei so manchen Co-Star schlecht aussehen. Neben ihr sieht vor allem ihre New-York-Romanze Emory Cohen blass aus, der einfach nicht mit einer Saoirse Ronan in Topform mithalten kann.
Einen kleinen Bruch erlebt der Film aber mit der kurzen Rückkehr Eilis nach Irland. Es wird nicht so recht deutlich, warum die eigentlich aufrichtige und gutherzige Frau ihre US-Liebe verleugnet. Außerdem wäre es ein Leichtes, das Werben des jungen irischen Mannes abzuweisen, aber die eigentlich immer sehr besonnene Eilis gibt sich ungewöhnlich einfach hin.
"Brooklyn" ist ein großartiger ruhiger Film über das Auswandern, der mit seiner detailgetreuen Ausstattung, zeitgenössischen Kostümen und einer glaubwürdigen Hauptdarstellerin gefällt. Es ist mitunter erfrischend, einen aufwändigen Film zu sehen, der trotz einiger optischer Reize keine Skandale braucht, um den Zuschauer zu fesseln. Zudem gibt die positive Grundhaltung Hoffnung: Heimat ist eben da, wo man sich zuhause fühlt.

Fazit: 80 %

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