7. Januar 2016

Creed

© Warner

Regie: Ryan Coogler
Land / Jahr: USA 2015












Adonis Johnson (Michael B. Jordan) will aus den Fußstapfen seines verstorbenen Vaters Apollo Creed treten, verlässt das Haus seiner Stiefmutter in Los Angeles und will in Philadelphia von dem einstigen Kontrahenten seines alten Herren im Boxen trainiert weden: Rocky Balbao (Sylvester Stallone). Dieser hat jedoch erhebliche gesundheitliche Probleme.
"Back to the Roots" lautet das Motto in diesem siebten Teil der "Rocky"-Reihe, in dem wohl eine der besten Entscheidungen alles Sequels getroffen wurde: Die Geschichte wird mit so wenig Kitsch, Effekten und sonstigem Tralala wie möglich erzählt. Das Einzige, an dem ordentlich gefeilt wurde, ist die handwerkliche Inszenierung.
Und besonders die Kameraarbeit hat ein paar echte Leckerbissen in Form von sehr langen Plansequenzen parat. Kameramann Maryse Alberti landet vielleicht nur in jeder 20. seiner Arbeiten einen Volltreffer, aber Filme über das Hauen scheinen ihm zu liegen - das letzte unvergessliche Werk in dem er die Bildgestaltung übernahm war "The Wrestler". Also eine qualitative Lücke von sieben Jahren. In "Creed" gibt es sogar ganze Boxrunden, die ohne Schnitt auskommen und bei denen die Kamera in steter Bewegung ist.
Nicht minder beeindruckende Arbeit liefern Michael B. Jordan und Dauerkämpfer Sylvester Stallone ab. Ersterer beweist nach "Fruitvale Station", dass er keine Eintagsfliege ist, was Qualität betrifft. Und Stallone? Klar, diese Rolle hat "The Italian Stallion" schon schesmal zuvor gespielt, aber dieses Mal muss er einen ganz anderen Kampf austragen. Er ist ein gebrochener Mann, dessen Leben nicht gerade voller Höhepunkte ist. Er traut sich, einmal nicht der Held, sondern die Dekonstruktion eines von ihm geschaffenen Mythos zu spielen. Und auch Creeds prolliger Kontrahent von der Insel trifft den Puls der Zeit: Nur vier Tage nachdem "Creed" in den US-Kinos anlief entthronte der Unterschichten-Brite Tyson Fury Wladimir Klitschko.
Den siebten Teil der Serie mit dieser sehr stilvolle Inszenierung zu einem Lichtblick der Serie zu machen ist schon überraschend. Was dann aber etwas ausbremst, ist der Final-Kampf. Klar, ist der auch handwerklich gut. Aber leider entschied man sich dazu, das Hirn in der Umkleidekabine zu lassen. Auf der Speisekarte steht eine hirnlose Prügelei. Dabei müsste jeder Trainer eigentlich ausrasten, wenn sein Kämpfer ohne jegliche Deckung wie ein Vollidiot losprügelt.
"Creed" zeichnet sich vor allem durch die sehr guten Darsteller und ein handwerklich einfallsreiches Team hinter der Kamera aus. Dass der mittlerweile siebte "Rocky"-Teil keine einzige Szene bietet, die man nicht schon einmal vorher irgendwo gesehen hat, ist vor allem auf die immerselbe Struktur dieser Boxfilme zurückzuführen. Bis auf den Endkampf zeichnet sich "Creed" aber auch dadurch aus, dass er cleverer und einfühlsamer ist, als es ihm im Vorfeld zuzutrauen war.

Fazit: 70 %

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