28. Januar 2016

Hateful Eight, The

© Universum

Regie: Quentin Tarantino
Land / Jahr: USA 2015












Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell) will eine dicke Prämie für Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) einsacken. Auf der Kutschfahrt nach Red Rock kommt aber ein gewaltiger Schneesturm auf, der die Reisenden zur Einkehr in Minnie's Kurzwarenladen zwingt. Dort wartet schon eine illustre Runde unterschiedlicher Gentlemen, von denen mindestens einer nicht der ist, der er vorgibt zu sein.
Filmmogul Harvey Weinstein hat den schönen Spitznamen "Harvey mit den Scherenhänden", da er der festen Überzeugung ist, ein Film müsse so kurz wie möglich sein, um zu unterhalten. Es gibt aber eine Person in Hollywood, für die Harveys Gesetze nicht gelten und dessen Filme er trotz ungewöhnlich langer Laufzeiten besonders gern in die Kinos bringt: Quentin Tarantino.
Der exzentrische Filmliebhaber, genießt völlige Narrenfreiheit in der Stadt der Engel, die er sich aber auch mit einigen unvergesslichen Meisterwerken hart erarbeitet hat. "Inglourious Basterds" (2009) hat eine Laufzeit von 153 Minuten, "Django Unchained" (2012) erstreckt sich sogar über 165 Minuten. Jetzt treibt es der Freund ausufernder Dialoge noch eine ganze Spur weiter, in der Roadshow-Fassung läuft "The Hateful Eight" sagenhafte 187 Minuten.
Der komplette Film ist auf Grandeur ausgelegt, neben der monumentalen Laufzeit gibt es eine Overtüre und eine Intermission, also eine Pause, wie sie seit Mitte der 60er Jahre eigentlich so gut wie ausgestorben sind. Technisch gesehen ist "The Hateful Eight" eine Meisterleistung, denn während andere Regisseur auf spektakuläre Effekte aus dem Computer setzen, gibt es bei Tarantino die extrem seltene Möglichkeit einen Film im super-breiten Ultra-Panavision-Format zu bestaunen. Eine Technik, die für genau acht Filme verwendet wurde - das letzte Mal 1966 beim Epos "Khartoum".
Zweifelsohne sensationell ist auch die musikalische Untermalung. Tarantino konnte den 1928 geborenen Meister-Filmkomponisten Ennio Morricone für sein Werk gewinnen, der den kompletten Soundtrack schrieb. Das erste Mal setzt Tarantino also nicht mehr auf alte Kult-Titel, sondern auf einen bombastischen Original-Score. Und der hat es wirklich in sich. Einige Stellen im Film wirken opernhaft, wie es schon lange nicht mehr im Kino zu sehen und hören war.
Aber trotz all dieser Lobeshymnen, trotz der tollen Darsteller und des ausgezeichneten Drehbuchs (in Hinblick auf die Dialoge), trotz der fantastischen Kamera und der wunderbaren Regie, hat "The Hateful Eight" dicke Probleme. Denn die Handlung hat nicht genügend Fleisch auf den Rippen, um den kalten Winter 187 Minuten lang durchzuhalten. Bevor irgendwas passiert abseits der genialen Dialoge, sind gut 100 Minuten verstrichen. "The Hateful Eight" ist schlicht und ergreifend zu lang - und das mindestens 30, wenn nicht sogar 40 Minuten.
Auch ist das Finale nicht spektakulär genug, die große Auflösung ist zwar logisch wasserdicht - wie immer bei Tarantino -, ein Aha-Effekt bleibt aber aus. Und ja: die Schusswunden sprudeln wie Fontänen, ein Blutbad ist das aber keineswegs, da wird ja besonders gerne mal von vielen Kritikern übertrieben. Und im Vergleich mit "Inglourious Basterds" und "Django Unchained" ist "The Hateful Eight" leider auch eine ganze Ecke weniger witzig.
"The Hateful Eight" ist in vielen Belangen Kino in Reinkultur, aber es wäre doch besser gewesen, hätte man dem Film die eine oder andere Feder gerupft. Dieses Hühnchen ist zu dick und die ein oder andere fiese Szene hätte ihm auch schon in den ersten zwei Stunden gut zu Gesicht gestanden. Für jeden anderen Regisseur wäre "The Hateful Eight" ein Meilenstein, für Tarantino leider nicht gut genug. Film Nummer acht landet im Tarantino-Ranking nur auf Platz Nummer sechs.

Fazit: 80 %

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