3. Januar 2016

Mr. Holmes

© Alamode

Regie: Bill Condon
Land / Jahr: Großbritannien, USA 2015












Meisterdetektiv Sherlock Holmes (Ian McKellen) ist mittlerweile nicht mehr ermittelnd aktiv und hat sich auf das Land zurückgezogen. Dort will der 93-Jährige lernen, mit seiner Demenz klarzukommen, freundet sich aber auch mit dem kleinen Roger (Milo Parker) an, der mehr über die Fälle von Mr. Holmes erfahren will.
Mit "Mr. Holmes" will Regisseur Bill Condon den Mythos der Detektiv-Legende dekonstruieren. Der Mann, der mit seiner aufgefeilten Kombinationsgabe jedem Verbrecher stets einen Schritt voraus ist, wird als alt und gebrechlich gezeigt. Es ist wie die Beziehung zwischen einem Lehrmeister und seinem kleinen Lehrling; so als wollte Holmes seine Fähigkeiten an eine neue Generation weitergeben.
Aushängeschild dieses Dramas ist Ian McKellen, der eine sehr menschliche Figur spielt. Sein tatriger Mr. Holmes zeigt viel Feingefühl, was den Umgang mit Roger belangt. In den Szenen, in denen er allein in seinem kleinen Kämmerchen versucht mit seiner Krankheit umzugehen, sieht man in McKellens Augen die Zerbrechlichkeit des alten Mannes. Er ist nicht mehr dieser Über-Detektiv - sowohl körperlich als auch geistig.
Allerdings fehlt da etwas ganz Zentrales, was wohl jeder Zuschauer, der ein Ticket für einen Sherlock-Holmes-Film löst, schlichtweg voraussetzt: Es gibt keinen echten Kriminalfall zu lösen. Klar erinnert sich Holmes an einen Fall, der ihm immer noch Kopfzerbrechen bereitet. Und am Ende löst er auch noch das tragische Bienen-Mysterium, aber das sind nur Tröpfchen auf dem heißen Stein, die im Nullkommanichts verdampfen.
Das bedeutet natürlich auch, dass "Mr. Holmes" dem Drama viel, viel näher ist als dem Krimi oder gar dem Thriller. Denn der Puls des Zuschauers bleibt so wie der des alten Mannes ziemlich weit unten - nur nicht Bluthochdruck provozieren! Interessant ist das zwar, was geboten wird, Suspense oder Spannung braucht man allerdings nicht zu erwarten.
"Mr. Holmes" erzählt die Geschichte des Autors Arthur Conan Doyle weiter. Ob das jedoch das ist, was den Zuschauer glücklich stimmt, wenn er einen Sherlock-Holmes-Film sehen will, ist fraglich. Der Krimianteil liegt bei etwa 15 Prozent des Filmes, die übrigen 85 Prozent gehen ganz klar an das Drama. Sehenswert ist "Mr. Holmes" dennoch, weil die McKellen wirklich überzeugend spielt und das Setting an der englischen Küste so schön ist.

Fazit: 65 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen