6. Januar 2016

Revenant, The - Der Rückkehrer

© 20th Century Fox

Regie: Alejandro González Iñárritu
Land / Jahr: USA 2015












1823: Nach einem Bärenangriff ist Trapper Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) so schwer verletzt, dass seine Kameraden ihn in den eisigen Wäldern zum Sterben zurücklassen und zur Vertuschung seinen Sohn töten. Entgegen jeglicher Wahrscheinlichkeit überlebt Glass und kommt wieder zu Kräften. Er hat nur noch einen einzigen Wunsch: Rache.
Drama, Thriller, Satire und jetzt Western/Abenteuer: Regisseur Alejandro González Iñárritu probiert sich wirklich an jedem Genre aus. Noch nie vorher komödiantische Szenen gedreht und für "Birdman" direkt den Regie-Oscar eingesackt. Jetzt probiert er sich an einem völlig anderen Genre aus und übertrifft sich sogar selbst.
Ebenfalls einen "Birdman"-Oscar auf dem Kaminsims stehen, hat sein Kameramann Emmanuel Lubezki. Mit "The Revenant" beweist er ein weiteres Mal warum. Der Mexikaner bringt es fertig, in jeder Szene extrem nah am Geschehen zu sein, ohne dass der Zuschauer die Übersicht verliert. Einmal ist er so nah am keuchenden DiCaprio, dass der Atem die Kamera-Linse beschlägt. Aber niemals, nicht ein einziges Mal, versucht Lubezki Action und Geschwindigkeit durch eine Wackelkamera zu verdeutlichen.
Diese Bilder zusammen mit der extrem naturalistischen Regie Iñárritus lassen "The Revenant" so physisch wirken wie die Werke von Werner Herzog, der Eingeborene ein Schiff über einen Berg ziehen ließ in "Fitzcarraldo" oder Konquistadoren auf eine sinnlose Expedition durch fremde Länder schickte in "Aguirre - Der Zorn Gottes". Dazu gibt es eine Prise russischer Odysseen wie in "Andrej Rubljow", die bis dato nur ein Regie-Genie wie Andrei Tarkowski machen konnte. Das ist einerseits packend, andererseits künstlerisch auf allerhöchsten filmischen Niveau.
Und dann ist da noch ein Hauptdarsteller, der sich komplett selbst opfert für einen ganz großen Film: Leonardo DiCarpio liefert eine besten, vielleicht sogar die beste, Leistung seiner Karriere ab. Der Vegetarier soll eine rohe Bisonleber verspeist haben, lernte zeitgenössische Verhaltensweisen und mit Pawnee und Arikara sogar zwei Sprachen amerikanischer Ureinwohner. Das hat sich bezahlt gemacht, sieht "The Revenant" doch so authentisch aus, wie nur möglich.
Die Bärenattacke ist der vielleicht beste Tierangriff, der jemals gedreht wurde - weil der Bär sich eben wie ein Tier verhält und nicht wie ein Monster -, aus technischer Sicht ist dieser Überlebens- und Rachewestern ein absolutes Meisterwerk. Allerdings muss jeder Zuschauer sich klar sein, worauf er sich noch einlässt. Der Film enthält mehrere extreme Blut- und Gewaltszenen mit Schlachthauscharakter, zudem beschränkt sich seine Sozialkritik auf ein Minimum und die Handlung erzählt prinzipiell nur die Geschichte einer gnadenlosen Hetzjagd. Aber wenn "Kill Bill" der beste stilisierte Rachefilm aller Zeiten ist, dann ist "The Revenant" der beste naturalistische Rachefilm.
Eine Frage bleibt aber dennoch offen: Warum sind die Untertiteln in den Szenen, in denen Pawnee, Arikara oder Französisch gesprochen wird so groß, dass sie fast ein Viertel des Bildes einnehmen? Will Fox etwa möglichst viel von seinem Meisterwerk hinter Buchstaben verstecken?

Fazit: 90 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen