10. Januar 2016

Top & Flop 2015

TOP 10 - 2015:

Vorab: Eine Eingrenzung hierbei ist schwierig, denn es zählt nicht das Produktionsjahr, sondern das Jahr der Kinoveröffentlichung in Deutschland. Somit fällt das Meisterwerk "The Revenant" zum Beispiel weg und muss sich bis zur TOP 10 - 2016 gedulden.
Die TOP 10 2015:

1. "Alles steht Kopf" - 3.404.340 Besucher in Deutschland
- Die animierte Antwort auf die Kult-Zeichentrickserie aus den 80ern: "Es war einmal ... das Leben". Pete Docters Film ist echtes Kopfkino, bei dem die menschliche Psyche vereinfacht, aber niemals trivialisiert erklärt wird. Keine Figur und keine Wendung sind zum Selbstzweck, sie haben alle ihren logischen Ursprung in der Psychologie. Das alles schafft der Film, ohne aufdringlich lehrreich zu sein. Beste Unterhaltung für Kinder und Erwachsene.

2. "Steve Jobs" - 149.922 Besucher in Deutschland
- Ashton Kutcher war 2013 schon Steve Jobs und kassierte dabei eine Menge Häme, bei Michael Fassbender liegt der Fall ganz anders. Er liefert eine oscarwürdige Performance ab. Auch alle anderen Darsteller - selbst Jeff Daniels, der Spaßvogel, der durch "Dumm & Dümmer" bekannt wurde - sind grandios. Dazu kommt Danny Boyles ausgezeichnete Entscheidung einen exzentrischen Menschen nur durch drei Tage in dessen Leben zu charakterisieren. Ausgezeichnet geschrieben, ausgezeichnet inszeniert, ausgezeichnet gespielt.

3. "Der Marsianer" - 1.348.197 Besucher in Deutschland
- Intelligente Science-Fiction bekommt in den letzten Jahren wieder verdiente Ehren. Erst "Gravity", dann "Interstellar", jetzt bringt Ridley Scott eine wunderbar durchdachte und darum umso spannendere und epischere Rettungsmission vom Mars. Der Zuschauer wird mit auf die Reise genommen und darf im letzten Drittel noch einmal mitfiebern und das alles albernheitenfrei. So kann man 108 Millionen Dollar auch mal sinnvoll einsetzen und nicht nur für seelenlose CGI.

4. "Ex Machina" - 183.614 Besucher in Deutschland
- Noch wesentlich cleverer als "Der Marsianer" ist dieser Debütfilm (!) von Alex Garland. Das Drehbuch ist philosophisch und hat intellektuell einiges zu bieten, die Dialoge sind großartig, weil einerseits tiefsinnig, andererseits nicht überheblich - und das in Kombination mit einer packenden Geschichte. Zudem hat der Film eine überragende optische Ästhetik mit dem stilvollen Haus im Wald und der mysteriösen Roboterdame.

5. "Mad Max: Fury Road"852.815 Besucher in Deutschland
- Zum Scheitern verurteiltes Sequel, das 30 Jahre nach Teil drei in die Kinos kam. "Mad Max" legt ein unfassbares Tempo vor und schaltet in kaum einer Szene einen Gang runter. Entgegen jeglicher Wahrscheinlichkeit ist "Fury Road" der beste Teil der Serie und einer der ganz wenigen Kinomomente, bei denen man sich auf eine Fortsetzung freuen darf. George Miller erzählt nicht immer wieder dieselbe Geschichte von vorn, sondern entwickelt sie weiter. Zudem war das Wort "Mad" selten so passend, denn dieser Film wimmelt nur so von kranken Individuen.

6. "Whiplash" - - Besucher in Deutschland
- Selten war eine Oscarauszeichnung im Vorfeld so eindeutig wie die von J.K. Simmons. Seine Darstellung des sadistischen Musiklehrers Fletcher, der von seinen Schülern am Konservatorium nichts abseits von Perfektion erwartet ist beängstigend und packend zugleich. Der Film mutet ein wenig wie ein "Full Metal Jacket" im Jazz-Gewand an. Film-Tyrann Fletcher ist einer der besten der gesamten Filmgeschichte. Zudem passt der Rest auch noch und macht "Whiplash" zu einem packenden Erlebnis.

7. "Victoria" - 362.334 Besucher in Deutschland
- Ein unvergleichbarer Organisationsaufwand wurde für "Victoria" betrieben, ist der Film ohne schmutzige Tricks in einem Take durchgedreht worden. Sicher gibt es immer wieder Momente, die als weniger spannende Brückenszenen fungieren, aber das Gesamtwerk ist ein umwerfendes Ergebnis voll Einfallsreichtum. Dazu gibt es mit Frederick Lau einen deutschen Darsteller, der Superstar-Potenzial hat. Er geht einfach in jeder Rolle auf.

8. "Sicario" - 294.816 Besucher in Deutschland
- "Die Frau, die singt", "Enemy" oder "Prisoners": mit Denis Villeneuve auf dem Regiestuhl kann man nicht viel falsch machen. In diesem düsteren Thriller fängt der kanadische Filmemacher den Drogenhandel an der Grenze von den USA zu Mexiko mit eindringlichen Bildern von Kamera-Ass Roger Deakins ein. Besonders im letzten Drittel ist zwar noch Luft nach oben. Das Gesamtpaket ist aber interessant, clever und spannend zugleich.

9. "Straight outta Compton" - 546.061 Besucher in Deutschland
- Ebenfalls ein Überraschungshit ist die Hip-Hop-Biografie "Straight outta Compton". Regisseur F. Gary Gray wurde 1995 mit dem Mega-Hit "Friday" direkt in die A-Liga der Hollywood-Regisseure gebeamt, hat aber keinen einzigen wirklich guten Film gemacht in seiner 20-jährigen Karriere - bis zu "Straight outta Compton". Diese Biografie der Hip-Hop-Combo NWA ist cool, spannend und unterhaltsam, ohne dabei jemals peinlich oder oberflächlich zu werden. Ebenfalls beachtlich ist, das Gray einen ganzen Stall voller exzentrischer Figuren sehr gut ausbalanciert auf die Leinwand bringt. Ein schönes Stück Musik-Geschichte.

10. "Birdman" - 558.439 Besucher in Deutschland
- Der Gewinner des Academy Awards für den besten Film 2015 findet sich auf dem zehnten Top-Ten-Platz wieder. Gemacht von einem Regisseur, der bis dato eigentlich nur Drama- und Thriller-Erfahrung gesammelt hat und jetzt eine innovative und künstlerisch hochwertige Satire aus der Welt des Showbiz bringt: Alejandro González Inárritu. Die Plansequenzen sind allerfeinste Kameraarbeit, zudem besetzt der Mexikaner die Hauptrolle des gefallenen Superhelden mit einem gefallenen Hollywood-Helden, der als Batman größte Erfolge feierte: Michael Keaton.

Für die "Flop 5" qualifizieren sich nur Filme, die im Kino liefen. Ansonsten würde die Liste von Direct-to-Video-Müll dominiert werden. Aber auch auf der großen Leinwand gibt es einige schreckliche Filme. Das sind die fünf übelsten Müllproduktionen, die 2015 in den deutschen Kino liefen.
Die FLOP 5 2015:

1. "Der Kaufhaus-Cop 2" - 780.789 Besucher in Deutschland
- Teil eins war noch erträglich, aber mittlerweile ist Kevin James auf dem Boden der Kinounterhaltung angekommen. Seine Figur ist nicht lustig, sondern lächerlich, die Gags können bestenfalls Kleinkinder begeistern. Das Schlimmste ist aber die Pseudo-Handlung, die zwar extrem schlicht gestrickt ist, dafür aber noch nicht einmal konsequent logisch. Die Billig-Optik lässt vermuten, dass Kevin James mit seinen nächsten Filmen den Kontakt zur Kinoauswertung verlieren könnte. Bis dahin hat er die Zuschauer aber schon lange genug mit minderwertigen Produktionen beraubt.

2. "Fifty Shades of Grey" - 4.409.177 Besucher in Deutschland
- Eine Kinoauswertung mit nur einem Sinn: Das Geld des schwachen Geschlechtes zu erbeuten. Würde Regisseurin Sam Taylor-Johnson den Zuschauern an der Kinokasse das Portmonnaie aus der Tasche stehlen, würde das kaum einen Unterschied zu dem Kauf eines Tickets machen. "Fifty Shades of Grey" ist ein konsumgeiler und vollkommen herzloser Film, der auf geschmackloseste Weise niederste menschliche Bedürfnisse propagiert. Sätze wie: "Würdest du mir gehören, könntest du eine Woche lang nicht sitzen", oder "Ich bin so wütend, dass mir die Handfläche juckt" sind dermaßen absurd, dass der Film unfreiwillig zum Lachen einlädt. "Fifty Shades of Grey" ist frei von Intelligenz, Herz und Qualität.

3. "Der Nanny" - 1.661.399 Besucher in Deutschland
- Schon wieder dieser talentfreie Adoptivsohn vom Schweiger. Matthias Schweighöfer beweist wieder einmal, dass er zwar ein durchschnittlicher Schauspieler, aber ein grauenhafter Regisseur ist. Die Handlung ist hirnfrei und grenzdebil, die Figuren passend da bestens rein. Kinder, die sich nicht wie Kinder verhalten, Erwachsene, die sich nicht wie Erwachsene verhalten. Zudem wird der Schwachsinn noch mit geschmack- und niveaulosen Gags garniert. Nicht so schlecht wie "Der Schlussmacher" oder "Vaterfreuden", aber das ist ja auch kaum noch zu unterbieten gewesen. Der Schrecken des Schweighöfer hält an.

4. "Fast & Furious 7" - 4.186.302 Besucher in Deutschland
- Die US-Variante von "Alarm für Cobra 11" wartet mit noch mehr Action auf - allerdings Action für die Allerkleinsten (Hirne). Eine Bande von Berufs-Asozialen drischt einen billigen Spruch nach dem anderen von einer Qualität, wie man sie morgens an der Haltestelle des Schulbusses hört. Die Figuren gehen keiner gefährlichen Situation aus dem Weg und überleben nicht durch Können, sondern durch reines Glück. Das Lösen von Problem mit dem Kopf wird hier vollkommen verachtet. Die meisten Actionsequenzen sind lächerlich und müssten die Figuren konsequent mit dem Tod bestrafen. Aber nein, hier werden Dummheit und Lebensverachtung verherrlicht; Schwachsinnige werden zu Helden von Schwachsinnigen. Könnte eine RTL-Produktion sein.

5. "The Transporter Refueled"165.918 Besucher in Deutschland
- Die "The Transporter"-Neuauflage ist schwach, aber keine Katastrophe. Die Actionsequenzen, die Handlung, die Dialoge, die Figuren - alles ist stark unterdurchschnittlich. Was den Film aber für diese Liste qualifiziert ist seine Beliebigkeit. Keine einzige Szene bleibt länger als fünf Minuten im Kopf, es gibt keinerlei Ideen in diesem Film - noch nicht einmal schlechte. Teil vier mischt einfach willkürlich ein paar Elemente mit der üblichen Bösewicht-Story zusammen und das Ergebnis ist ein langweiliger und vollkommen generischer Action-Blödsinn. Langweilige Filme sind noch überflüssiger als schlechte Filme, da macht noch nicht einmal das Aufregen Spaß.

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