23. Januar 2016

Verschollen in der City

© CJ Entertainment

Regie: Lee Hae-jun
Land / Jahr: Südkorea 2009












Kim Seong-geun (Jeong Jae-yeong) hat dicke Probleme: Der Geschäftsmann hat einen gigantischen Schuldenberg angehäuft. Die einzige Lösung: Selbstmord. Doch der Sprung von der Brücke misslingt und er wird an einer kleinen Insel unter der Autobahn angespült. Wieso eigentlich nicht ein ruhiges Leben unter der Brücke beginnen? Doch er hat die Rechnung ohne die menschenscheue Kim Jung-yeon (Jung Ryeowon) gemacht, die ihn von ihrem Fenster aus immer im Blick hat.
Was für ein wunderbares Filmkonzept. Aus einer unfassbar simplen Idee hat sich ein einzigartiger Film entwickelt: Regisseur Lee Hae-jun fragt sich, wo und wie man in einer Großstadt völlig vereinsamt sein kann und liefert gleich zwei tolle Antworten. Einerseits schickt er seinen Helden auf eine kleine Insel, die niemand im Blick hat. Andererseits isoliert er seine merkwürdige junge Heldin in ihrem Zimmer - beziehungsweise lässt sie sich selbst isolieren.
Und obwohl der Film unter hundertausenden Menschen spielt, so gibt es doch nur zwei Personen, die wirklich im Fokus sind. Zwei einsame Kreaturen, die durch einen völligen Zufall zueinander finden. Das einzige Mal, in dem ein anderer Schauspieler im Mittelpunkt des Filmes steht, ist der Moment in dem Kim Jung-yeon ihrer Mutter sagt, dass sie Mais anbauen will. Diese kurze Einstellung auf Muttis ergriffenes Gesicht ist ein Unikat im Film.
Besonders erheiternd sind auch die - manchmal ziemlich widerlichen - Lösungen des einstigen Geschäftsmannes, um an Nahrung zu kommen oder um die Hilfsmittel zu bauen. Sie sind zwar immer freakig, aber in den Grenzen des physikalisch beziehungsweise biologisch Möglichen. Und auch die Undercover-Ausflüge von der verrückten Einzegängerin an den Rand der Brücke, um ihrem Objekt der Begierde etwas zukommen zu lassen machen Spaß.
"Verschollen in der City" faszniert, weil er ein außerordentlich origineller Film ist, der aus einer grenzenlos banalen Idee entsprang. Auch weil seine beiden Protagonisten trotz ihrer Abgedrehtheiten sympathisch sind und die Inszenierung ebenso kreativ wie der Inhalt, ist diese südkoreanische Romantic-Comedy so gelungen. Wie ein Abenteuerfilm mit in der Großstadt.

Fazit: 75 %

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