4. Januar 2016

Walk, The

© Sony

Regie: Robert Zemeckis
Land / Jahr: USA 2015












Philippe Petit (Joseph Gordon-Levitt) hat einen großen Traum: Er möchte einen unvergesslichen Akt auf einem Drahtseil vollbringen. Dazu bietet sich natürlich das World Trade Center an, das gerade in New York gebaut wird. Aber die Planungen bringen mehr Schwierigkeiten mit als anfangs noch gedacht.
Hätte sich Regisseur Robert Zemeckis auf den eigentlichen Balance-Akt konzentriert, dann wäre "The Walk" wohl eher ein Kurzfilm geworden. Um die Geschichte des exzentrischen Artisten Philippe Petit und seines kühnen Vorhabens auf Spielfilmlänge zu bringen, entscheidet sich Zemeckis die ganze Sache mit Stilmitteln des Heist-Films zu inszenieren. Sogenannte Heist-Filme zeigen die Planung eines umfangreichen Raubüberfalles; an ihrem Ende steht stets der Coup an sich, wie in jüngerer Filmvergagenheit beispielsweise die Filme der "Ocean's Eleven"-Reihe.
Und genau so erzählt Zemeckis auch Petits Geschichte, der Raub wird lediglich durch ein illegales Kunststück ersetzt. Anfangs geht es noch darum, ein vielseitiges Team um sich zu scharren. Petits Handlanger bleiben den kompletten Film über allerdings ziemlich blass. Mit ihrer Hilfe will der Künstler die zahlreichen Probleme aus dem Weg schaffen. Nach der Mitarbeiter-Akquise stehen Planung und Vorbereitung an.
Was wohl eher nicht zu erwarten war: "The Walk" ist ähnlich locker amüsant geraten wie die "Ocean's Eleven"-Filme. Es handelt sich zwar nicht um eine Komödie, weil dafür die Gags fehlen und witzige Situationen äußerst rar sind, aber die Atmosphäre ist durchweg heiter und fröhlich. Selbst bei dem eigentlich Akt wird wenig an der Spannungsschraube gedreht.
Zemeckis trifft, wie so oft, sehr gute Entscheidungen, ein Aspekt ist allerdings völlig missraten: Wieso lässt er seine Hauptfigur immer wieder dem Publikum in die Augen blicken und seine Geschichte als Voice-Over erzählen? Wie kann ein so erfahrener Regisseur eine so dermaßen unfilmische Entscheidung treffen? Es ist nervtötend, weil dieses Stilmittel nicht nur am Anfang im Prolog, sondern auch zwischendruch immer wieder Verwendung findet und den Zuschauer kurzzeitig aus der Handlung reißt.
"The Walk" ist ein äußerst kurzweiliger, lockerer Ausflug in ein kleines Kapitel Kulturgeschichte. Natürlich bleibt es fragwürdig, wieso ein Amerikaner den Franzosen spielen muss und die Momente, in denen Petit direkt in die Kamera spricht hätte man getrost komplett rausschneiden können. Aber abseits dessen macht der Film Spaß, ohne aufdringlich lehrreich seien zu wollen. Die Momente in luftiger Höhe haben zudem das Adjektiv "schwindelerregend" wirklich verdient. Löst der Film bei Zuschauern mit Höhenangst doch Unbehagen aus.

Fazit: 70 %

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