17. Februar 2016

Leviathan

© Wild Bunch

Regie: Andrey Zvyagintsev
Land / Jahr: Russland 2014












Autoschrauber Nikolai Sergejew (Alexej Serebrjakow) lebt zusammen mit seiner neuen Familie in einem kleinen, aber selbstgebauten Häuschen in der russischen Provinz. Allerdings hat der korrupte Bürgermeister Wadim Schelewjat (Roman Madjanow) eigene Pläne mit dem Grundstück und versucht seine Kontakte spielen zu lassen.
Der Leviathan ist ein mytologisches Untier und seit dem Mittelalter ein Symbol für Allmacht. Ebensolche Allmacht wie sie die Oberschicht ausübt - besonders in korruptionsanfälligen Ländern. Schließlich ist dem korrupten Bürgermeister jedes Mittel recht, um sich das Gelände zu verschaffen. Aus dem Hebräischen übersetzt bedeutet Leviathan aber "der sich Windende", was bestens zu dem einfachen Kfz-Mechaniker passt, der mit aller Kraft versucht, nicht von dem System ausgebeutet zu werden.
Auch wenn der Titel extrem bedeutungsschwanger ist, die Inszenierung von Filmemacher Andrey Zvyagintsev glänzt vor allem durch ihren schlichten, minimalistischen Stil. Völlig unaufgeregt zeichnet der Regisseur seine lebensnahen Figuren, nimmt sich gut 140 Minuten Zeit, die Geschichte zu erzählen.
Das Ergebnis wirkt mitunter so nüchtern wie Filme der mehrfach preisgekrönten Regisseure Nuri Bilge Ceylan ("Winterschlaf", "Once Upon a Time in Anatolia") oder Asghar Farhadi ("Le passé - Das Vergangene", "Alles über Elly", "Nader und Simin - Eine Trennung"). Es ist als würde Zvyagintsev den Stil des Türken oder des Iraners adaptieren und ihn auf die Probleme in seinem Heimatland anwenden.
Und wie es im richtigen Leben so ist, sind die Wendungen viel überraschender, viel unabsehbarer und dennoch viel logischer als in 99,9 Prozent der fetten Hollywood-Produktionen. Was definitiv zur russischen Realität gehört und in "Leviathan" keineswegs geleugnet, sondern noch bestärkt wird, das ist der Konsum des Kartoffelschnaps, besser bekannt als: Wodka. Der Alkohol bestimmt den Alltag und oftmals auch die waghalsigen Entscheidungen der Figuren.
"Leviathan" ist ein intelligentes und starkes Drama, das in seinen knapp zweieinhalb Stunden kleine Längen hat, insgesamt aber, im Gegensatz zu den Entscheidungen seiner Figuren, extrem souverän ist. Die Kritik an dem löchrigen System kommt ungefiltert beim Zuschauer an. Ein ehrlicher, kritischer Film, wie er heutzutage nur noch selten gemacht wird.

Fazit: 80 % 

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