29. Februar 2016

Spotlight

© Paramount

Regie: Tom McCarthy
Land / Jahr: USA, Kanada 2015












Mit dem neuen Chef Marty Baron (Liev Schreiber) kommt eine brisante Aufgabe auf die Investigativ-Journalisten des Boston Globe zu. Die Spotlight-Gruppe um Walter Robinson (Michael Keaton) soll Fälle von Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche untersuchen. Langsam werden die extremen Ausmaße der Vorfälle deutlich.
Michael Keaton spielte 2014 noch die Hauptrolle in "Birdman" von Alejandro González Inárritu, der den Oscar für den besten Film bekam. Nur ein Jahr später steht Keaton auf der anderen Seite und ist einer der Gründe, warum Inárritu mit seinem Rache-Western "The Revenant" nicht erneut in dieser Kaegorie erfolgreich war, denn "Spotlight" von Tom McCarthy war letzten Endes der strahlende Gewinner.
Keaton spielt hier den Chefredakteur der Super-Rechercheure, die im echten Leben für ihre mutige Arbeit mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet wurden. Keaton zur Seite stehen Mark Ruffalo, Rachel McAdams und der weniger bekannte Brian d'Arcy James. Und auch wenn aus diesem Viererteam nur Ruffalo und McAdams für Hollywoods beliebtesten Goldjungen nominiert gewesen sind: Das gesamte Spotlight-Team sowie auch die restliche Cast liefert durchweg ausgezeichnete Performances ab.
Wer aber einen waschechten Thriller mit Herzklopfen-Garantie erwartet, der wird sich wundern. Denn "Spotlight" könnte als "passiver Thriller" bezeichnet werden. Während bei anderen Filmen des Genres zwei Fraktionen mit aller Macht gegeneinander arbeiten, so bleiben die Aktionen der katholischen Kirche bei unaufgeregten Verschleierungsmaßnahmen. Action, Gewalt oder Elemente wie Verfolgungsjagden existieren nicht einmal im Ansatz - der Film ist sogar ohne Altersbeschränkung freigegeben worden -, was natürlich der Glaubwürdigkeit der Ereignisse zu Gute kommt.
Besonders herausragend ist das Drehbuch geworden. Das Duo um Josh Singer und Regisseur Tom McCarthy verpackt eine Unmenge an Figuren in 128 Minuten und verliert dabei niemals den Überblick, obwohl die Geschichte sich permanent in mehrere Richtungen entwickelt. Man könnte fast sagen, dass die Recherche der Drehbuchautoren ebenso extensiv war wie die der Journalisten, um die es in "Spotlight" geht. Ein bemerkenswertes Gedankenkonstrukt, dass wirklich niemals den roten Faden verliert.
"Spotlight" ist nicht der unterhaltsamste Beitrag unter den Oscar-Nominierten gewesen, er ist auch nicht das größte Kunstwerk und mit Sicherheit noch nicht einmal der beste Film. Denn über "The Revenant" werden Filmfreaks noch in Jahrzehnten sprechen. Aber "Spotlight" hat einfach eine zutiefst menschliche Message. Gemeinsam mit jeder Menge grandiosen Schauspielerleistungen und einem bemerkenswert gut strukturierten Drehbuch ist aber ein Film entstanden, der zu Recht extrem viel Beachtung verdient. Zudem wurde das brisante Thema niemals ausgeschlachtet, sondern sehr geschmackvoll umgesetzt. Ein wichtiger Film.

Fazit: 85 %

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