11. Februar 2016

Taxi Teheran

© Weltkino

Regie: Jafar Panahi
Land / Jahr: Iran 2015












Als Taxifahrer ist der Filmregisseur Jafar Panahi (er selbst) unterwegs in der iranischen Hauptstadt Teheran. Bei seinen Touren durch die 20-Millionen-Metropole nimmt er rachsüchtige Taschendiebe, abergläubige Frauen und kleinwüchsige Filmliebhaber mit. Nicht alle erkennen den Kino-Maestro.
Eigentlich dürfte es diesen Film nicht geben - ebenso wenig wie die beiden Werke "Dies ist kein Film" und "Pardé". Jedenfalls wenn es nach dem iranischen Mullah-Regime gehen würde. Das hat den kritischen Filmemacher Jafar Panahi mit einem 20-jährigen Berufsverbot stigmatisiert. Als wenn das ein Hindernis für den international ausgezeichneten Regisseur wäre ...
Nachdem er sich sich für die ersten beiden Filme nach dem Bann noch in relativ sicheren vier Wänden einschloss, wagt er sich mit Nummer drei wieder auf die Straße und in die Öffentlichkeit. Er fährt Taxi und kutschiert dabei die verschiedensten Menschen durch die Metropole Teheran. Dabei fällt vor allem auf, dass Panahi ziehmlich passiv bleibt. Er ist mehr eine Art Voyeur und lässt seine Fahrgäste sprechen.
Dabei gibt es natürlich auch - sonst wäre es kein echter Panahi - die eine oder andere regimekritische Äußerung. Wie beispielsweise von der Lehrerin, die sich darüber aufregt, dass der Iran an zweiter Stelle hinter China stehe, was die jährlichen Hinrichtungszahlen betrifft. Auch dass Film-Dealer wie Drogen-Dealer behandelt werden oder Absurditäten wie das Krawatten-Verbot im Iran geraten in Panahis, oder besser gesagt, das Fadenkreuz seiner Fahrgäste.
Der Stil ist dabei wie gewohnt minimalistisch. Die Kamera fungiert wie eine umgedrehte Dash-Cam, die anstatt der Straße die Insassen des Fahrzeugs im Blick hat. Manchmal darf man Panahi sogar dabei zusehen wie er die Kamera unter heftigem Wackeln ausrichtet. Was aber dokumentarisch anmutet, ist tatsächlich inszeniert und keineswegs Zufall.
Der Goldene Bär, mit dem der Film auf der Berlinale in Panahis Abwesenheit ausgezeichnet wurde, ist aber keineswegs dem Werk selbst, sondern den Umständen zu verdanken. Trotz Verbotes gedreht und zu den Filmfestspielen geschmuggelt - es ist mehr ein Statement als eine qualitative Auszeichnung. Denn obwohl "Taxi Teheran" interessante Bilder aus dem Mullah-Staat liefert und einige interessante Themen anreißt, so bleiben die einzelnen Begegnungen doch nur kleine Fetzen ohne große zusammenhängende Bedeutung. Panahi ist mehr ein Film-Forscher als Film-Künstler.

Fazit: 70 %

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