7. Februar 2016

Will - Folge deinem Traum

© Sony

Regie: Ellen Perry
Land / Jahr: Großbritannien 2011












Der kleine Will (Perry Eggleton) lebt in einem Waisenhaus und ist glühender Fan des Liverpool FC. Als sein Vater ihm Tickets für das Endspiel der Champions-League-Saison 2004/05 in Instanbul hinterlässt, macht sich der Junge auf in die türkische Metropole. Dort steht der Premier-League-Club dem mit Superstars gespickten AC Mailand gegenüber.
Für jeden Fan des Liverpool FC ist dieses Finale das wohl emotionalste Spiel der Vereinsgeschichte, ist der Spielverlauf doch so ungewöhnlich als wäre er von einem Hollywood-Drehbuchautoren dramatisiert worden. Für jeden Fan Des AC Mailand ist dieses Spiel wahrscheinlich der Inbegriff von Enttäuschung. In diesem Falle schreiben aber die Gewinner mal wieder die Geschichte.
Das alles weiß der kleine Will aber noch nicht als er in die Türkei aufbricht. Er nimmt aber nicht einfach den Flieger, sondern trampt durch halb Europa. Wie für die meisten Abenteuergeschichten so üblich, vor allem wenn die Hauptfiguren kleine Jungs sind, ist auch diese Geschichte mit einer Überdosis Kitsch angereichert. Zudem hat Will extremes Glück, dass er überhaupt so weit kommt.
Um ihm die Reise zu erleichtern, begleitet der kriegsflüchtige Alek (Kristian Kiehling) Will, der wie ein Vaterersatz auf den Jungen aufpasst. Leider bringt er aber auch die überflüssigsten Elemente mit, die in der Rückblende auf das Kind im Minenfeld gipfeln. Eine unpassende und völlig überdramatisierte Szene, die einfach nicht in den Film passt. Da hat Regisseurin Ellen Perry noch ein paar kritische Untertöne in ihrem Film gewollt, die leider völlig erzwungen wirken.
Nicht genug gibt es allerdings vom Fußball. Das Champions-League-Finale, auf das der gesamte Film zusteuert, wirkt wie ein hitchcockscher MacGuffin. Wie ein inhaltsleerer, aber notwendiger Grund, um einen kleinen Jungen über den Kontinent reisen zu lassen. Wer schon beim Anfang des Filmes gespannt ist, wie wohl das Finale inszeniert wurde, der wird unfassbar enttäuscht sein, wenn es soweit ist: Beim Verlassen des Spielertunnels ist Ende mit dem Spielfilm und es werden Original-Aufnahmen gezeigt. Diese auch nicht vom Spiel selbst, sondern von der Siegerehrung.
Eines der denkwürdigsten Champions-League-Finalspiele wird zum Mittelpunkt eines Spielfilmes. "Will - Folge deinem Traum" ist ein nettes Abenteuer, das aber mit der Naivität eines kleinen Jungen geschrieben wurde. Dass heißt nicht, dass der Film keinen Spaß macht - es heißt nur, dass es eine Menge Kitsch und unglaubwürdiger Momente gibt. Das Thema Fußball findet leider zu oft nur in Gesprächen statt. Dass der Film sagenhafte 35 Millionen Pfund, also mehr als 45 Millionen Euro gekostet haben soll, sieht man ihm nur ganz selten an.

Fazit: 60 %

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