3. März 2016

Daddy's Little Girl

© Pierrot Le Fou

Regie: Chris Sun
Land / Jahr: Australien 2012












Dereks (Michael Thomson) ganzer Stolz ist seine kleine Tochter Georgia. Als das Mädchen eines Tages tot aufgefunden wird, zerbricht Derek an. Doch wie durch einen Zufall kommt er dem Täter auf die Spur und lockt ihn in seinen Keller ...
Wenn eine Firma namens Slaughter FX einen Rache-Thriller macht, dann kann der Zuschauer sich auf einiges gefasst machen. Bei dem australischen "Daddy's Little Girl" dauert es dafür überraschend lange, bis Derek das Sprichwort "Auge um Auge - Zahn um Zahn" wortwörtlich nimmt. Regisseur Chris Sun, selbst vierfacher Familienvater, nimmt sich gut eine Stunde Zeit, um Georgia verschwinden zu lassen und um die Figuren zu zeichnen.
Das funktioniert allerdings nur sehr dürftig. Denn die Darsteller liefern eine unfassbar dilettantische Leistung ab. Man könnte hier fast schon die Gleichung aufstellen: Desto größer die Rolle, desto mieser der Mime. Bodensatz ist definitiv Michael Thomsons Spiel. Zweiter Problempunkt sind die Wendungen. Vor allem der Umstand, mit dem er dem Täter auf die Spur kommt, ist nahezu sinnfrei. Dessen Aufzeichnungen seiner Verbrechen sind ebenfalls nicht nachvollziehbar, weil sie nicht im Geringsten zur Figur passen.
Sobald der Kinder-Killer aber in den Krallen des auf Rache sinnenden Vaters ist, ändert sich der Grundton des Filmes extrem. Es scheint, als wenn die Jungs der Spezial-Effekt-Schmiede das ganze Budget verbraucht hätten. Denn was Derek dem Mörder seiner Tochter antut, ist selten so drastisch auf Zelluloid gebannt worden. Knapp 40 Minuten lang bearbeitet er sein Opfer mit allem, was der Werkzeugkeller zu bieten hat und lässt sich dabei einiges einfallen.
Allerdings kommt dabei keine Spannung, keine düstere Atmosphäre auf. Es wirkt wie eine Folge "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten", in denen vor allem letztere viel Filmzeit bekommen. Somit ist das Gezeigte zwar ziemlich widerlich, aber keineswegs angsteinflößend. Und vor allem ist es moralisch arg bedenklich, denn das Plädoyer pro Pädophilen-Tötung und pro Selbstjustiz ist mehr als eindeutig.
"Daddy's Little Girl" ist ein sehr, sehr drastischer Rachefilm, bei dem es schon fast verwunderlich ist, dass er in der unzensierten Fassung "nur" auf Liste A indiziert wurde, wird Selbstjustiz doch ohne Umschweife propagiert - und das noch extrem blutrünstig. Das miese Schauspiel reißt das Werk noch ein Stückchen weiter runter. Wer einen nicht ganz so extremen, aber weitaus hochqualitativeren und atmosphärischeren Film mit nahezu der exakten Struktur sehen möchte, der ist bei dem kanadischen Film "7 Days" besser aufgehoben.

Fazit: 25 %

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