13. März 2016

Ich und Kaminski

© X Verleih

Regie: Wolfgang Becker
Land / Jahr: Belgien, Deutschland 2015












Sebastian Zöllner (Daniel Brühl) hält sich für den besten Kunstkritiker der Welt. Natürlich ist ihm deswegen auch das größte Projekt gerade groß genug. So macht er sich auf die Suche nach dem legendären blinden Maler Manuel Kaminski (Jesper Christensen), um zu beweisen, dass der in Wahrheit sehen kann.
Von der TV-Serie "Verbotene Liebe" zu dem Kino-Ästheten Quentin Tarantino in "Inglourious Basterds": Daniel Brühl hat sich zu einem der großen deutschen Schauspieler gemausert. Er hätte auch eine Art Schweighöfer werden können, also ein Publikumsliebling für seichten Schwachsinn. Aber Brühl hat Großes gewagt und bekommt dafür die Quittung: International ist er ein gefragter Mime.
Für "Ich und Kaminski" macht sich Brühl mal wieder richtig zum Affen. Er spielt einen eingebildeten, arroganten Journalisten, der sich über alles und jeden hinwegsetzt. Dabei wirkt er aber alles andere als stark und verliert immer wieder die Kontrolle über sich und seine Ziele, ein paar Fremdschäm-Momente inklusive - allerdings nur für die Figur, nicht für den Film.
Das Intro dieser Dramödie versetzt schon in die richtige Stimmung: Da wird historisches Material von einem der größten Künstler aller Zeiten gezeigt. Zeitungsausschnitte, Fotos, kurze Filmsequenzen und natürlich Gemälde - würde man nicht den eigentlich Ursprung dieser Werke erkennen, könnte man denken, dass sei alles echt. Es ist aber jedenfalls so gut gemacht, dass man es zumindest hofft und sich darauf einlässt. Und so funktionieren die guten Filme.
"Ich und Kaminski" ist aufgeladen mit skurrilen Figuren und bitterböser Satire. Am meisten macht sich Regisseur Wolfgang Becker über seinen wichtigsten Charakter, seinen Helden lustig. Es scheint als wäre Sebastian Zöllner, der begabteste Kunstkritiker der Welt, einfach nur ein kleiner Junge. So verachtenswert, dass man mit ihm Mitleid haben muss. Naiv und auf seine Instinkte reduziert und vor allem: noch selbstverliebter als jeder seiner schon sehr egozentrischen Interviewpartner.
Hier und da wäre ein ernsterer Ton doch besser gewesen. Würde der Film so ambitioniert verlaufen wie er beginnt, dann hätte er ein wahrhaftes Meisterwerk werden können. Doch leider entscheidet sich Becker, lieber etwas seichter zu werden und in einem positiven Kompromiss zu enden, als seinen scharfen Ton konsequent durchzuziehen. Mit dem was ansonsten aber sowohl inszenatorisch als auch narrativ im deutschen Komödien-Sektor geboten wird, kann "Ich und Kaminski" aber problemlos mithalten.
"Ich und Kaminski" ist ein intelligenter Film mit selbstverliebten und deswegen so amüsanten Figuren. Der Brühl legt den Sunnyboy immer mehr ab und entwickelt sich langsam wie ein DiCaprio, was er hier wieder einmal eindrucksvoll beweist und einen echten Unsympathen abliefert. "Ich und Kaminski" ist nicht nur gut, weil er anders ist. Er ist gut, weil er größtenteils funktioniert. Dennoch: Er hätte mit etwas mehr Schwärze noch viel besser sein können.

Fazit: 70 %

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