21. März 2016

Marty

© MGM

Regie: Delbert Mann
Land / Jahr: USA 1955












Der Fleischer Marty (Ernst Borgnine) ist ein freundlicher 33-Jähriger, dem es nur an einem fehlt: Nach mehren Enttäuschungen mit Frauen wünscht er sich endlich eine Freundin, die ihn so akzeptiert wie er ist. Eines Abends trifft er in einem Tanzlokal auf die 29-jährige Lehrerin Clara (Betsy Blair), die ebenfalls schon oft enttäuscht wurde.
In US-Romanzen sind es meistens Figuren, die aus beneidenswerten Verhältnissen kommen, die noch nicht die Liebe gefunden haben. Sie sind Mode-Designerinnen oder Millionärs-Söhne, Musik-Stars oder Sport-Asse, ganz selten aber sind es echte Menschen. In "Marty" sind ein dicklicher Schlachter und eine schüchterne Lehrerin die Hauptfiguren, die, selbst wenn sie miteinander glücklich werden sollten, noch einige Probleme zu bekämpfen haben.
Und selbst wenn in den normalen Hollywood-Liebesfilmen mal einer von beiden Liebenden optisch nicht umhaut, dann gibt es zum Ende hin stehts die übliche vom Entlein-zum-Schwan-Verwandlung und plötzlich schauen (meistens der jungen Dame) auch alle Kontrahenten hinterher. Auch diese "Eigentlich-ist-jeder-Mensch-eine-Schönheit"-Romantik gibt es bei "Marty" nicht. Ganz einfach weil der Film so billigen Kitsch nicht nötig hat.
Und genau das macht den mehrfachen Oscargewinner "Marty" so sympathisch. Er möchte, dass der Zuschauer seine beiden Hauptfiguren ernst nimmt und erarbeitet sich das Recht zu diesem Wunsch damit, dass Regisseur Delbert Mann die Figuren selber ernst nimmt. Wenn Marty beispielsweise traurig ist, weil er sich für fett und unattraktiv hält, dann ist das kein schmieriger Mitleids-Moment, sondern lässt einfach nur die Probleme gewöhnlicher, echter Menschen verstehen.
Hinzu kommt, dass Hauptdarsteller Ernst Borgnine wirklich alles gibt, den freundlichen jungen Mann von Nebenan zu spielen. Und das mit einer Ehrlichkeit und ohne jegliche Eitelkeit, was ihm die meisten Sympathien bei den Zuschauern und die größte Begeisterung bei den Kritikern einbringt. Auch wenn Betsy Blair eine sehr gute Leistung als Ewig-Zurückgestoßene liefert, Borgnine kann in diesem Film niemand das Wasser reichen.
"Marty" hat seine ganz großen Szenen immer dann wenn die titelgebende Hauptfigur und Clara miteinander agieren. Diese leicht melancholische Romanze, die in der echten Welt spielt und durchschnittliche Menschen zu seinen Helden macht, funktioniert so gut, weil sie nicht wehmütig und träge, sondern amüsant und kurzweilig erzählt ist. Garniert mit einem grandiosen Ernst Borgnine verwundert es nicht, dass der Film unter anderem vier Oscars - auch den für den besten Film des Jahres - gewinnen konnte.

Fazit: 75 %

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