20. März 2016

Raum

© Universal

Regie: Lenny Abrahamson
Land / Jahr: Irland, Kanada 2015












Ma (Brie Larson) wird seit sieben Jahren in einem kleinen Raum von ihrem Entführer festgehalten, den sie Old Nick (Sean Bridgers) nennt. Ihr mittlerweile fünfjähriger Sohn Jack (Jacob Tremblay) wurde in Gefangenhschaft geboren und kennt nicht das Leben außerhalb des Mini-Schuppens. Nach der gelungenen Flucht, muss der Junge sein komplettes Weltbild umstellen.
Die Verfilmung der Natascha-Kampusch-Geschichte "3096 Tage" hat schon einmal eine sehr ähnliche Erlebnisse einer jungen Frau auf die große Leinwand gebracht. Damals ging es vor allem um die Beziehung von Opfer zu Täter mit der finalen Flucht als Höhepunkt des Filmes. Alles ziemlich atmosphärisch und reißerisch in Szene gesetzt.
Die Adaption von Emma Donoghues Roman "Raum", der auf keinem konkreten Fall basiert und rein fiktiv ist, setzt auf ganz andere Werte als der Kampusch-Thriller. Der einzige Suspense-Moment ist die Flucht des Fünfjährigen, die von seiner Mutter ziemlich naiv geplant ist und eine Menge möglicher Komplikationen aufwirft. Wahrscheinlich ist dies auch die schwächste Wendung in "Raum", schließlich gibt es gleich mehrere Argumente, warum diese Art der Flucht nicht funktionieren würde und was die Konsequenzen für die junge Mutter wären, in der Zeit während die Polizei nach ihr sucht.
Ansonsten fokussiert sich "Raum" auf die Beziehung von Mutter und Sohn und auf die wunderbare Naivität von Jack. Der kleine hat eine Logik von der "Welt" außerhalb des Raumes, die seine Mutter ihm nahegebracht hat und die der Wirklichkeit enorm in die Quere kommt - was den Jungen oftmals an seine kindlichen Verständnis- und Logikgrenzen treibt. Schließlich ist der davon ausgegangen, dass außerhalb der kleinen vier Wände der Weltraum existiert und Entführer Old Nick alle Gegenstände durch Zauberei erschaffen hat.
Herzstück dieses extrem menschlichen und niemals billig reißerischen Dramas sind die Leistungen von Brie Larson und ihrem Filmsohn Jacob Tremblay. Erstere bekam dafür so ziemlich jeden relevanten Filmpreis verliehen wie den Oscar, Golden Globe, Actor's Guild und BAFTA Award. Aber auch Jacob spielt mit seinen acht Jahren, die er während der Dreharbeiten alt war, besser als manch ein hochdekorierter Hollywood-Veteran
"Raum" ist ein Paradebeispiel dafür wie man einen Entführerfilm dieser Art erzählt, wenn auch die Flucht nicht durchweg überzeugend ist. Dafür punktet er vor allem mit seinem hervorragenden Mutter-Sohn-Gespann und seinem nahezu nie voyeuristischen Drehbuch, dass sich vor allem auf die Psychen der beiden Hauptdarsteller konzentriert und den Entführer nur als notwendiges Übel in wenigen Szenen zeigt. Einzig gerade-noch-so Alternative zu "Raum" ist die österreichische Produktion "Michael", der aber wesentich mehr auf eine düstere Atmosphäre setzt.

Fazit: 80 %

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