30. März 2016

Rote Laterne

© Krause & Schneider

Regie: Zhang Yimou
Land / Jahr: China, Hongkong, Taiwan 1991












China, 1920: Songlian (Gong Li) muss die Uni abbrechen und einen reichen Mann heiraten, dessen vierte Nebenfrau sie wird. Den anderen drei Nebenfrauen der Herren sind alle Mittel recht, damit abends die roten Laternen an ihren Gemächern entzündet werden, denn dann nächtigt der Mann bei ihnen.
Vor "Rote Latern" war Zhang Yimou nur ein chinesischer Regisseur unter vielen, danach war er Filmfans auf der ganzen Welt bekannt. Seine eindringliche Geschichte einer 19-Jährigen, die sich gegen drei andere Frauen durchsetzen muss, ist absolut packend. Dabei fällt noch nicht einmal auf, dass der ganze Film eigentlich nur in immer denselben drei, vier Räumen spielt. Zu sehr ist der Zuschauer damit beschäftigt, den Damen bei ihren hinterhältigen Schachzügen zuzuschauen.
Schwarz/weiß-Denken ist bei diesem schlicht, aber extrem stilvoll gefilmten Drama nicht angebracht. Einerseits enthüllen die Frauen im Laufe des Filmes ihre Beweggründe, weswegen die Sympathien immer wieder neu verteilt werden. Andererseits spielt die Protagonistin zwar die jüngste der vier Frauen, aber keineswegs die harmloseste. Sie selbst ist nicht nur Opfer, sondern legt das Feuer hin und wieder auch selbst.
Erstaunlich ist dabei, welch untergeordnete Rolle der Herr des Hauses spielt. Er integriert nicht, er durchblickt noch nicht einmal, was seine Nebenfrauen alles tun, um sich vor den anderen zu profilieren. Der Mann wird als Hedonist, als Genussmensch in Gänze gezeichnet. Macht ihm eine Frau zuviel Stress, dann regt er sich gar nicht groß auf, sondern legt sich am nächsten Abend einfach in das Bett der nächsten Dame.
Während Zhang Yimous späteres Meisterwerk "Hero" ein durchgestyltes Farbenspiel par excellence ist, ist "Rote Laterne" das Gegenstück dazu: Einfache Settings, bis auf die titelgebenden Laternen ist der Film größtenteils in tristem Grau gehalten. Yimou setzt einfach alles daran, die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf die ausgezeichneten Darsteller und das famose Drehbuch zu lenken.
"Rote Laterne" ist einer der größten chinesischen Filme aller Zeiten von einem der wunderbarsten chinesischen Regisseure aller Zeiten. Die Momente, wenn Nebenfrau Nummer drei ihre Stücke der chinesischen Oper trällert sind für westliche Ohren zwar eine Qual, passen aber sehr gut in dieses mutige Stück Kino.

Fazit: 85 %

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