9. März 2016

Um jeden Preis

© Lighthouse

Regie: Anders Morgenthaler
Land / Jahr: Deutschland, Dänemark 2014












Maria (Kim Basinger) ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau und mit dem Mann verheiratet, den sie liebt. Dennoch ist sie unglücklich, denn nach mehreren Fehlgeburten kann sie kein Kind mehr kriegen. Um sich den Traum von einem Baby dennoch zu erfüllen, macht sie sich alleine auf den Weg zur tschechischen Grenze. Dort will sie sich ein Kind kaufen.
Kim Basinger spielt eine Frau, die zu Anfang des Filmes noch schwanger ist, das Baby dann verliert. Ihr Ehemann Peter (Sebastian Schipper) macht sie darauf aufmerksam, dass sie zu alt sei, um noch einmal schwanger zu werden. Bei den Dreharbeiten zu "Um jeden Preis" ist ihr Film-Ehemann 46 Jahre alt gewesen, was noch vertretbar ist. Basinger hingegen war 61 Jahre alt. Sicher, sie sieht gut zehn Jahr jünger aus, aber selbst wenn sie eine 51-jährige Schwangere spielt, dann ist das einfach nur lächerlich.
Diese Casting-Entscheidung ist wieder einmal ein trauriges Beispiel wie jegliche Logik zu Gunsten von einem bekannten Namen geopfert wurde. Anstatt sich eine unbekanntere, dafür wesentlich jüngere Schauspielerin auszusuchen, die tausendmal besser in die Rolle passt, entschied sich Regisseur Anders Morgenthaler für den Hollywood-Star. Ein Armutszeugnis.
Eine wesentlich bessere Besetzung ist der kleinwüchsige Jordan Prentice, der den Süchtigen Petit spielt. Seine Figur und sein Spiel sind das faszinierendste an diesem sehr düsteren Drama-Thriller-Mix. Er ist einerseits ein auf Geld versessener Junkie, zeigt andererseits aber auch viel Menschlichkeit, wenn er Gewissensbisse hat, Maria bei ihrer Mission zu unterstützen.
Anders Morgenthaler sollte sich aber lieber darauf konzentrieren, eine straffe, spannende Geschichte zu erzählen, als alles daran zu legen seinem Werk einen künstlerischen Touch zu verpassen. Lange Einstellungen auf einen Wolkenhimmel ohne Schnitt und mit einem Voice-Over unterlegt wirken gewollt und nicht gekonnt. Das verschafft "Um jeden Preis" nur eine aufgesetzte Pseudo-Qualität, die leider oftmals als solche auffällt
Der Film hat aber auch seine hellen Momente und damit ist nicht fröhlich, sondern gelungen gemeint. Denn gute Laune wird der Kinderhandel-Film mit einigen verstörenden Bildern wohl bei niemandem verbreiten. Aber die Szene bei der minderjährigen Prostituierten beispielsweise, der Petit Geld für eine Stunde mit ihrem Baby geben will, ist wirklich gut geworden - wenn auch der Umstand des Aufeinandertreffens extrem glücklich ist.
"Um jeden Preis" ist ein Drama mit der Atmosphäre eines sehr dunkelherzigen Thrillers. Da es gleichermaßen viele Höhen und Tiefen gibt, wird es trotz einiger viel zu langgezogener Szenen nie wirklich langweilig. Die Entscheidung die Rolle einer Schwangeren mit einer 61-Jährigen zu besetzen ist aber aufgrund der offensichtlichen und absichtlichen Logikverletzung nicht zu verzeihen. Unter solchen Voraussetzungen ist noch nie ein guter Film entstanden.

Fazit: 45 %

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