27. März 2016

Victor Frankenstein

© 20th Century Fox

Regie: Paul McGuigan
Land / Jahr: USA 2015












Medizinstudent Victor Frankenstein (James McAvoy) rettet einen buckligen Clown (Daniel Radcliffe) aus dem Zirkus und tauft ihn auf den Namen Igor. Gemeinsam forscht das ungleiche Duo, dass eine große Leidenschaft für die Human-Wissenschaft teilt, an der Erschaffung von Leben aus totem Gewebe.
Victor Frankenstein ist ein gelehrter Mann, ein Medizingenie. Dennoch hält er den gut besuchten Zirkusplatz für einen besseren Moment, seinen Gehilfen zu befreien als in der Nacht. Der Sinn dahinter ist schnell entdeckt: So kann er sich noch ein paar gänzlich obsolete Kämpfe und Verfolgungen mit dem Zirkus-Personal liefern. Und dem Spektakel-Zuschauer läuft der Sabber aus dem Mund. Endlich wieder sinnbefreite Action.
Anstatt dem künftigen Igor zu erklären, dass er ihn von dem Buckel befreien kann und anstatt die OP in Ruhe durchzuführen, presst Victor ihn ohne Vorwarnung an die Wand und rammt ihm eine Kanüle in den Rücken. Das ist eine weitere Szene, die ohne Sinn und Verstand auf pure Action abzielt. Leider hat es mehr von einer homosexuellen Vergewaltigung als von einer Operation.
Szenen wie diese wurden im gesamten Film verstreut, damit es immer genügend Spektakel gibt. Dass das eigentlich fast nie Sinn macht, stört Regisseur Paul McGuigan anscheinend nicht. Dabei sind manche Logikkrater derart riesig, dass sie immer wieder ganze Teile des Filmes einfach so verschlingen.
Was "Victor Frankenstein" ebenfalls nicht benötigt hätte sind zwei völlig überflüssige Nebenfiguren, die die eigentliche Geschichte nur aufhalten. Zum einem die lächerliche Romanze mit der Akrobatin Lorelei (Jessica Brown Findlay), zum anderen den fanatischen Inspector Turpin (Andrew Scott), der als zusätzlicher Antagonist noch ein bisschen Schwung in die Kitsch-Mär bringen soll.
Dabei hat dieses x-te Neuinterpretation von Mary Shelleys klassischer Gothic-Story sogar ein paar nette Momente parat, was aber nicht an inhaltlichen Errungenschaften, sondern an der aufwendigen Ausstattung und den hübschen Kostümen liegt. Es gab anscheinend auch hier Departments, die gewissenhaft gearbeitet und dem Film einen Mehrwert verliehen haben.
Am Anfang darf der Zuschauer sich über Menschen aufregen, die im Zirkus Geld dafür bezahlen, um sich an einem verkrüppelten Menschen zu ergötzen - und das zum reinen Selbstzweck. Wer sich dabei aber ertappt, dass ihm dieser Film gefällt, der ebenfalls nur aufs Spektakel abzielt, der gehört zu den modernen Schaulustigen. "Victor Frankenstein" ist ein weiterer Beweis dafür, dass hirnlose Unterhaltung noch genauso gut funktioniert wie schon vor Jahrhunderten und Jahrtausenden.

Fazit: 35 %

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