14. April 2016

Alles über Elly

© Fugu

Regie: Asghar Farhadi
Land / Jahr: Iran, Frankreich 2009












Ein Ausflug einer Gruppe von Freunden ans Meer entwickelt sich zum Alptraum als Elly (Taraneh Alidoosti) plötzlich verschwindet und mutmaßlich ertrinkt. Auf der Suche nach der jungen Frau, die eigentlich mit einem Freund verkuppelt werden sollte, kommt es zu Streitereien. Und außerdem muss noch Ellys Familie über ihren Tod informiert werden ...
Zwei Jahre vor dem großen Triumph mit seinem fantastischen Meisterwerk "Nader und Simin - Eine Trennung", mit dem Asghar Farhadi unter unzähligen Filmpreisen auch den Auslands-Oscar für den Iran gewann, machte er mit dem Drama "Alles über Elly" auch über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus auf sich aufmerksam.
Denn die Tragödie in dem idyllischen Haus am Meer ist ausgezeichnet geschrieben und sensationell inszeniert. Farhadi verliert niemals die Übersicht über die gut zehn Personen, die sich im und um das Haus herum aufhalten. Organisatorisch gesehen eine Mammutaufgabe, die fehlerlos und ohne kaschierende Detail-Schnitte auskommt.
Was vom Iran gezeigt wird, ist eine durchweg glaubwürdige Mischung aus traditionellen Werten und modernen Gedanken. Niemals aufgesetzt, niemals erzwungen gegen das System. Es sind echte Menschen aus der Mittel- und Oberschicht, die allesamt leidenschaftlich von sehr guten Darstellern gespielt werden. Sie reden über Alltägliches, ohne dass es jemals langweilig wird.
Die Wendungen und die Suche nach einer adäquaten Lösung für das Problem sind stets vollkommen logisch und werden begleitet von Figuren, die die Nerven verlieren und sich gegenseitig angehen. Denn keiner ist hier ein Profi und keiner ist hier ein Held. Es sind Menschen, die sich in einer extremen Situation befinden, wie sie vielleicht auch jedem anderen passieren könnten.
Farhadi beweist auch mit seinem Pre-Oscarfilm "Alles über Elly", dass er ein Meister der Dramatisierung des Alltags ist. Er verliert niemals die Kontrolle über das Drehbuch oder die Figuren und drückt seinem Film einen Stempel auf, der ihn zu einem typischen Farhadi-Film macht - im positiven Sinne. Keine Spezialeffekte, keine Zaubertricks: "Alles über Elly" beweist einmal mehr, dass echtes Kino nur gute Schauspieler, ein tolles Drehbuch und einen Visionär auf dem Registuhl braucht.

Fazit: 85 %

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