4. April 2016

Big Short, The

© Paramount

Regie: Adam McKay
Land / Jahr: USA 2015












Der exzentrische Bermuda-Shorts tragende Hedgefonds-Manager Dr. Michael Burry (Christian Bale) ist sich sicher: Der US-Immobilienmarkt wird kollabieren. Während ihn andere Finanz-Genies dafür auslachen, wettet er 1,3 Milliarden US-Dollar auf diesen Zusammenbruch und steht mit seiner Theorie im Kreuzfeuer seiner Anleger.
"The Big Short" ist ein waghalsiges Projekt, dessen bloße Existenz mehr als verwunderlich ist. Einen Film über ein dröges Thema wie Finanzgeschäfte zu drehen, dazu noch mit einer Handlung und einem Vokabular, für das man schon einigermaßen Ahnung von der Materie haben sollte, um ihr als Zuschauer zu folgen; ein kinobesucherunfreundlicheres Konzept kann man kaum auf die Beine stellen. Zudem führte mit Adam McKay ein Filmemacher Regie, der eigentlich nur für alberne Komödien bekannt ist. Es spricht einfach nichts für diese Finanz-Dramödie.
Erzählt werden Geschichten von Menschen, deren Lebensinhalt es zum einen ist einen möglichst großen Berg glänzender Metallstücke und farbig bedruckter Papierscheine in ihrem Geldspeicher anzuhäufen. Zum anderen setzen sie gewissenlos Geld darauf, dass Millionen Unschuldiger Menschen ins Unglück gestürzt werden - und dabei haben die meisten dieser sogenannten "Finanzgenies" noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen.
All dies packt Regisseur Adam McKay in ein Drama, stattet es mit unerwartet viel intelligentem Humor aus und lässt in den Haupt- und Nebenrollen nahezu ausschließlich Hollywoods A-Liga auftreten. Christian Bale, Brad Pitt, Ryan Gosling oder Steve Carell. Das sind vier unterschiedliche Typen von Schauspielern, die nahezu alle in ihren Rollen aufgehen. Lediglich Gosling wirkt gezwungen glatt und abgezockt und somit leider etwas oberflächlich.
McKay lockert die staubtrockene Handlung mit ausgezeichnet sarkastischem Humor auf, ohne dabei despektierlich oder naiv zu wirken. Auch die zahlreichen Erklärmomente, in denen dem Zuschauer einzelne Begriffe wie beispielsweise CDO mit kinderleichten Beispielen von bekannten Gesichtern erklärt werden, wirken niemals besserwisserisch und sind perfekt plaziert. "The Big Short" macht den Zuschauer bestimmt nicht zu einem Finanzexperten, erlaubt es ihm aber der gut durchdachten und strukturierten Geschichte zu folgen - und vielleicht auch im echten Leben etwas skeptischer zu sein.
Aus einem Thema, das so ernst ist, dass es eigentlich eine Tragödie oder ein Thriller sein müsste, ein heiteres Drama zu machen: Dafür muss man ein wirklich wasserdichtes Konzept haben. Sonst wäre "The Big Short" zu einem gigantischen Misserfolg geworden. Das Ergebnis ist aber das Gegenteil: Mitunter großartige Darsteller lassen ein ausgezeichnetes Drehbuch Realität werden. Zudem wird der Zuschauer immer als Komplize der Guten (von denen es nicht viele gibt) an die Hand genommen. Selten waren 130-minütige Finanzthemen so unterhaltsam.

Fazit: 85 %

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