7. April 2016

End of the Tour, The

© Sony

Regie: James Ponsoldt
Land / Jahr: USA 2015












Der Journalist David Lipsky (Jesse Eisenberg) besucht für ein Interview den Schriftsteller David Foster Wallace (Jason Segel). Bei dem mehrtägigen Besuch reden die beiden Männer nicht nur über das Meisterwerk "Unendlicher Spaß" des Autoren, sieh lernen sich näher kennen und werden zu echten Freunden.
Das Buch "Although of Course You End Up Becoming Yourself" des Journalisten David Lipsky ist die Quelle für diese kleine, aber sehr feine Künstlerbiographie. Der Journalist beschrieb die Gespräche mit David Foster Wallace als die besten seines Lebens. Die Familie des als Genie gefeierten Schriftsteller war nicht mit der Verfilmung des Buches einverstanden.
In "The End of the Tour" stehen sich zwei Männer gegenüber: Ein Journalist, der gleichermaßen eine interessante Story wittert sowie seiner Faszination für den Autoren nachgehen will, und der Autor selbst, der wenig begeistert ist, über den Vorschlag interviewt zu werden. Zwei starke Menschen, die sich intellektuell etwa auf gleichem Level duelliren. Keine einfache Situation für die beiden Hauptdarsteller.
Diese Aufgabe bewerkstelligen beide aber wunderbar. Jesse Eisenberg hat sich beispielsweise in "The Social Network" als Charakterdarsteller profilieren können und liefert auch in "The End of the Tour" eine durchweg überzeugende Leistung ab. Sein David Lipsky ist ein begabter Journalist, der sich manchmal von dem Literatur-Genie in die Enge gedrängt fühlt. Der versucht eine möglichst realitätsnahe Geschichte zu schreiben, ohne dass seine Bewunderung für den Autoren zu sehr durchscheint.
Spannender ist aber der Blick auf Jason Segel, der sich eigentlich eher mit lustigen, aber geistig schlichten Filmen einen Namen gemacht hat. Meistens spielt er einen liebenswerten Verlierer. Diesmal zeigt er, dass er auch anders kann. Den gebrochenen, aber überaus erfolgreichen Menschen spielt er mit erfrischendem Scharfsinn. Segel geht regelrecht auf in der Rolle des Ausnahmekünstlers David Foster Wallace.
Und obwohl der Film ein äußerst künstlerisches Sujet hat, lässt sich Regisseur James Ponsoldt nicht dazu hinreißen, ihn gewollt artifiziell zu inszenieren. Ganz im Gegenteil: Die Kamera ist wie ein stiller Beobachter, immer gegenwärtig, aber niemas aufdringlich. Diese Schlichtheit passt ausgezeichnet zu der Geschichte.
Dass es nicht immer teuer sein muss, beweist dieser kleine feine Independent-Film. Fast schon kammerspielartig wird die gesamte Aufmerksamkeit auf die beiden Hauptdarsteller gelenkt, die sehr gute, wenn auch nicht grandiose, Leistungen abliefern. Gerade für den Clown Jason Segel ist "The End of the Tour" ein kleiner Juwel in der Biographie. Regisseur James Ponsoldt glänzt mit Zurüchaltung - im positiven Sinne.

Fazit: 70 %

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