22. April 2016

Es ist schwer, ein Gott zu sein

© Drop-Out Cinema

Regie: Aleksey German
Land / Jahr: Russland 2013












Auf dem erdähnlichen Planeten Arkanar leben ebenfalls Menschen - allerdings ist ihre Zivilisation 800 Jahre rückständig. Eine Gruppe Wissenschaftler soll dort den Menschen helfen, lässt sich aber lieber als Götter feiern.
Bereits im Jahr 1989 wurde Arkadiy und Boris Strugatskiys Roman auf die große Leinwand gebracht. Regisseur Peter Fleischmann machte daraus ein etwas mehr als zweistündiges und recht unterhaltsames Abenteuer. Ganz so leicht haben es die Zuschauer von Aleksey Germans Verfilmung definitiv nicht, ist sein Werk nicht nur mit 177 Minuten überlang, sondern noch richtig schwer verdaulich.
Erzählt wird die Geschichte in schicken schwarz/weiß-Bildern. Die Kamera ist immer nah am Geschehen, Figuren sprechen direkt in sie zum Zuschauer. German filmt seine Dystopie mit wunderbar schmutzigen, aber dennoch perfekt durchkomponierten Bildern. Die Kamera fährt und schwebt frei durch den Raum, bleibt aber immer nach an den Ereignissen.
Wie ein russischer Robert Altman bevölkert German das Bild mit unzähligen Menschen, die sich im Vorder-, Mittel- und Hintergrund tummeln. Es ist immer was los, nie herrscht Ruhe in diesem künstlerisch beachtlichen Epos. Und das Mittelalter auf Arkanar ist ein besonders dreckiges. Blut, Urin, Spucke und Schlamm gehören zu den Grundelementen in "Es ist schwer, ein Gott zu sein". Man könnte beinahe vom Zuschauen schon Herpes kriegen.
Aber auch wenn die Bilder ausgezeichnet sind, so hängen sie die Geschichte doch gnadenlos ab. Man könnte dieses Kunstwerk wahllos kürzen und doch würde dies keinem Zuschauer auffallen. Das spricht natürlich nicht für die dünne Handlung. German kann seine unfassbar lange Geschichte zu keiner Zeit rechtfertigen.
Ebenso frei schwebend wie die Kamera sind auch die Dialoge. Zwar wird ununterbrochen geredet, aber wirkliche Gespräche entwickeln sich nicht - niemals. Immer wieder kloppen die Figuren ihre inhalts- und bedeutungslosen Phrasen. Gesagt wird eigentlich nichts, was natürlich bestens zu der willkürlichen Story passt.
Der russische Filmemacher Aleksey German hat zweifellos einen einzigartigen und technischen vorzüglichen Mix aus Abenteuer, Mittelalter und Science-Fiction geschaffen. Wem Andrzej Żuławskis kolossaler Hirnfick "Der silberne Planet" noch zu leicht war (und das sollte kaum jemanden betreffen), der wird mit "Es ist schwer, ein Gott zu sein" richtig glücklich werden. Die anderen 99 Prozent der Zuschauer werden sich darüber ärgern, dass dieses optisch so entzückende Werk inhaltlich so oberflächlich geworden ist.

Fazit: 55 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen