19. April 2016

Harte Ziele

© Universal

Regie: John Woo
Land / Jahr: USA 1993












Der Obdachlose Chance Boudreaux (Jean-Claude Van Damme) steht der hübschen Natascha Binder (Yancy Butler) zur Seite als diese von mehreren Männern angegangen wird. Damit gerät er ins Visier von Killern, die Menschenjagd als Sport ausüben. Deren Problem: Chance ist leider kein Rehlein, sondern selbst ein Raubtier.
Als der wichtigste Begründer des Actionfilm-Subgenres "Heroic Bloodshed" machte Hongkong-Regisseur John Woo Mitte der 80er bis in die frühen 90er auf sich aufmerksam. Seine Meisterwerke "A Better Tomorrow", "Bullet in the Head" und "The Killer" verbinden massivste Brutalitäten mit gutmütigen Geschichten und einer einzigartigen Art der opernhaften Inszenierung. Blutige Action für ein exklusiv-erwachsenes Publikum brachte Woo auf die Leinwände der Welt, er etablierte die Nutzung zweier Pistolen gleichzeitig für das Kino, wie es Lara Croft 1996 für die Videospiele tat. Zudem machte er seinen Dauerdarsteller Chow Yun-Fat zum Kurzzeit-Hollywoodstar.
Klar, dass ein Engagement in Hollywood auf ihn warten würde. Ausgestattet mit 18 Millionen Dollar und dem damaligen Publikumsmagneten Jean-Claude Van Damme sollte Woo amerikanische Männeraction machen. Was er dabei aber in seiner Heimat völlig zurückließ waren die gutmütigen Geschichten und die Logik.
Nur zum Schein ist "Harte Ziele" ein echter John-Woo-Film. Es gibt bleihaltige Ballereien, einen Stapel Leichen, weiße Tauben und jede Menge testosteronhaltige Stunts. Um die ganze Sache noch cooler zu machen, wurden jede Menge haarsträubende Momente reingemischt. Die Szene beispielsweise in der Van Damme mit der Hand eine Schlange aus einem Baum fischt, wäre den meisten Regisseuren normalerweise schon männlich genug. Woo lässt Van Damme allerdings der Schlange noch den Klapperschwanz abbeißen (!) und das Tier im Anschluss in bester MacGyver-Manier zu einer Falle für seine Verfolger umfunktionieren. Das ist alles so übertrieben und blödsinnig, dass man nicht weiß ob man lachen oder mit dem Kopf schütteln soll.
Wer allerdings befürchtet, dass Van Damme mit seiner schmierigen Frisur der schauspielerische Tiefpunkt dieses Films sein würde, der irrt gewaltig. Seine Drehpartnerin Yancy Butler macht schnell deutlich, dass es nur einen Grund gibt, warum sie für diesen Film gecastet wurde. Ihr dümmliches Overacting ist es jedenfalls nicht gewesen.
Hollywood hat wieder einmal nicht verstanden, dass man einem Künstler seine Freiheiten geben muss. Und so muss Woo einen trügerischen Film inszenieren, dem es an Herz und Hirn fehlt. Das Chaos um die Freigabe - der Film musste in den USA sieben Mal der MPAA vorgelegt werden, bis er endlich sein R-Rating bekam, zudem ist die deutsche FSK-16-Fassung um 41 Minuten gekürzt - spricht für den Härtegrad der Action. Und bitte, bitte Mr. Woo, gehen sie nicht so verschwenderisch mit Zeitlupen-Szenen um.

Fazit: 35 %

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