11. April 2016

Under the Skin - Tödliche Verführung

© Senator

Regie: Jonathan Glazer
Land / Jahr: USA, Großbritannien, Schweiz 2014












Eine Frau (Scarlett Johansson) ist tagein tagaus mit ihrem Lieferwagen unterwegs und auf der Suche nach einsamen Männern. Hat sie einen Herren gefunden, den wohl niemand vermissen wird, verleibt sie sich ihn ein.
Wow, was für eine merkwürdige Produktion: Mit schmalen Budget von 13,3 Millionen Dollar dreht Regisseur Jonathan Glazer einen Mystery-Film in Schottland, der so wenig Dialoge hat, dass das Drehbuch wohl nicht mehr als 20 Seiten umfassen kann. Die kargen Dialoge macht die Hauptdarstellerin allerdings wett durch zahlreiche Nacktszenen. Und als wäre das nicht so merkwürdig genug, verpackt Glazer seine schlichte Handlung in außergewöhnliche Bilder. Mittendrin in diesem Independent-Film: Hollywood-Superstar Scarlett Johansson.
Letztere kann den Film eigentlich nur als Kunstprojekt verstanden haben. Die Männer, die sie in den Lieferwagen lockt waren ganz normale Passanten, denen erst im Anschluss gesagt wurde, dass sie gefilmt werden. Zudem muss sich Johansson in jeder erdenklich Position nackt vor der Kamera zeigen. Und das leider allzu oft zum Selbstzweck.
Dafür gibt es aber auch eine optische Entlohnung. Nein, nicht Johanssens Körper, sondern die Momente des wortwörtlichen Männerverschlingens. Es handelt sich nicht um abgedunkelte Räume und eine schwarze Flüssigkeit. Es sieht aus als würden die Figuren im Nichts wandeln und eben dort untergehen. Bei diesen Szenen beweist Regisseur Glazer ein gutes Gespür für Ästhetik - da vergisst man schonmal die ansonsten sehr spärliche Inszenierung.
Während es in der ersten Hälfte noch interessant und spannend ist mitzurätseln, was das alles soll, kommt in der zweiten Hälfte die Enttäuschung durch. Denn "Under the Skin" bietet keineswegs die großartige Wendung, die man ihm noch anfangs zutraut. Der Film entwickelt sich genauso, wie es zu erwarten ist und das war es auch schon.
Ein paar tolle Bilder und eine interessante erste Hälfte reichen dann doch nicht, den Film über die Zeit zu retten. Das Drehbuch ist einfach zu schwach, wenn auch die Performance von Johanssen überzeugen kann. Im Endeffekt ist die David-Lynch-Dosis dann doch zu schwach, für den richtigen Kick.

Fazit: 55 %

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