20. Mai 2016

Eddie the Eagle: Alles ist möglich

© 20th Century Fox

Regie: Dexter Fletcher
Land / Jahr: Großbritannien, USA, Deutschland 2016












Einmal an den Olympischen Spielen teilnehmen, egal wie: Das ist der Wunsch des minimal-begabten Briten Michael Edwards (Taron Egerton). Als seine Träume fast schon zu zerplatzen drohen, entdeckt er eine Lücke im Reglement und möchte der erste britische Skispringer seit den 20er Jahren werden. Der Alkoholiker Bronson Peary (Hugh Jackman) soll ihn dafür trainieren.

Unbeschadet landen
Üblicherweise sind es sportliche Erfolgsgeschichten, die es auf die große Leinwand schaffen: Weltmeisertitel, Rekorde und Trophäen sind das perfekte Material für Kinofilme. Und dann gibt es noch die kleinen obskuren Diamanten. 1993 beispielsweise kam mit "Cool Runnings" die Geschichte von Jamaikas erster Bobmannschaft in die Kinos und wurde zu einem extrem sympathischen Überraschungserfolg. Eine wahre Geschichte über eine ungewöhnliche Mannschaft, die sich bei den Olympischen Winterspielen 1988 ereignete.
Ebenfalls eine Geschichte der Spiele von Calgary ist die des britischen Skispringers Michael Edwards. Er ist zu fett, er ist zu blind, er ist weder begabt noch richtig trainiert, aber der Mann mit dem Spitznamen "The Eagle" hat das Herz an der richtigen Stelle. Für Eddie zählt es nicht möglichst weit zu springen, sondern möglichst unbeschadet unten anzukommen.
Die Stimmung die Dexter Fletcher bei seiner Sportlerbiographie wählt und auch bestens zum Zuschauer transferiert ist eine heitere und überaus positive. Egal wieviel gegen den britischen Adler spricht und obwohl er wirklich kaum ein Attribut eines Helden oder Gewinners hat, Fletcher schafft es die Zuschauer-Sympathien auf den Underdog zu übertragen. Und ein paar nette Lacher gibt es auch.

Unsportliche Autoren
Doch obwohl "Eddie the Eagle: Alles ist möglich" den Sinn von Sport so gut wie kaum ein anderer Film darstellt, nämlich das es vor allem um die richtige Motivation und nicht um tonnenweise Geld geht, scheinen es gerade die Autoren des Filmes nicht verstanden zu haben. Denen war die extrem ungewöhnliche Geschichte nicht einzigartig genug und sie lassen sich nach amerikanischem Vorbild zum billigen Dramatisieren verführen. Die Autoren Simon Kelton und Sean Macaulay sind ganz üble Betrüger, denn sie fummeln an der Wahrheit herum. Sie übertreiben nicht einfach (was schon schlimm genug wäre), sondern erfinden einige Wendungen. Eddies Trainer Bronson Peary (Hugh Jackman) beispielsweise ist frei erfunden. Er beruht nicht auf einem echten Menschen, sondern ist eine dreiste Lüge.
"Eddie the Eagle: Alles ist möglich" ist eine sehr schöne und unterhaltsame Sportlerbiographie. Gut inszeniert und gut gespielt, aber leider mitunter auch weit von der Wahrheit entfernt. Die Geschichte ist eigentlich interessant genug, um sie möglichst nah an den tatsächlichen Gegebenheiten aufzubauen, aber das war den Schmierfinken aus Hollywood mal wieder nicht reißerisch genug.

Fazit: 70 %

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