8. Mai 2016

Jungle Book, The

© Disney
Regie: Jon Favreau
Land / Jahr: USA 2016












Um dem mörderischen Tiger Shere Khan zu entfliehen soll der Dschungelzögling Mowgli (Neel Sethi) zurück zu den Menschen gebracht werden. Doch diese Mission wird dem Panther Bagheera nicht sonderlich leicht gemacht, funken ihm beispielsweise der gemütliche Bär Baloo oder der machtgierige Affenkönig Louie dazwischen.
Disneys Zeichentrickadaption von Rudyard Kiplings Roman, die 1968 in die deutschen Kinos kam, hat einen Kinobesucher-Rekord für die Ewigkeit aufgestellt: Mehr als 27 Millionen Menschen sollen damals in die nationalen Lichtspielhäuser geströmt sein. Im Vergleich mit anderen Publikumsmagneten wird besonders deutlich, dass diese Marke wahrscheinlich nie mehr geknackt werden wird: Auf Platz zwei liegt "Titanic" mit 18 Millionen Zuschauern, der erste "Harry Potter"-Teil hat zwölf Millionen Deutsche in die Kinos gelockt.
Im Zuge der Neuverfilmungen ihrer erfolgreichsten Zeichentrickfilme hat sich Disney nach der sehr ordentlichen "Cinderella"-Version von Kenneth Branagh für seinen vielleicht charmantesten Klassiker entschieden: "Das Dschungelbuch" sollte seine Realverfilmung bekommen. Obwohl "real" hier nur auf den kleinen Menschenjungen Mowgli zutrifft, alle Tierfiguren stammen aus dem Computer. Und man muss zugeben: Mittlerweile ist die Technik auf einem Stand, bei dem die Tiere auch in Detail-Aufnahmen "echt" aussehen.
Was Regisseur Jon Favreau im Vergleich zur gemalten Version anders macht, ist die Gewichtung der einzelnen Begegnungen mit anderen Tieren. Die Elefanten bekommen diesmal wenig Screentime und wirken sehr distanziert, auch die hypnotisierende Würgeschlange Kaa ist vielleicht fünf Minuten auf der Leinwand zu sehen. Dafür gibt es als Ausgleich jede Menge von Publikumsliebling Baloo, dem Bären zu sehen.
Das Meiste funktioniert gut, allerdings ist es doch sehr schade, dass die ausgezeichneten Lieder aus der 1968-Version kaum Beachtung in Favreaus Version bekommen. Lediglich die beiden größten Hits werden angestimmt, allerdings wurden auch "Probier's mal mit Gemütlichkeit" und "Ich wäre gern wie du" nur fragmentarisch übernommen.
Einzie Charakteränderung, die wenig gefällt in der modernen Version, ist die der Affen. 1968 waren sie zwar ebenso machtbesessen, getrieben von einer nicht ungefährlichen, aber dennoch lustigen Art von Wahnsinn und Verrücktheit. Diesmal kommen die Affen weniger bekloppt rüber, dafür aber deutlich gefährlicher. King Louie wird als eine Art gnadenloser Machthaber dargestellt. Ein echter Diktator. Weniger irre, aber ein kleines Stückchen bösartig.
Insgesamt macht das neue "Dschungelbuch" - oder "Jungle Book", wie es neumodisch heißt - einen sehr frischen Eindruck. Favreau kopiert nicht einfach, sondern bringt auch viel von sich mit ein. Und zu sehr großen Teilen funktioniert das auch. Dennoch bleibt das Fehlen der Songs sehr schade: Denn auch Leute, die eher nicht so Bock auf Lieder in Filmen haben, werden doch die Klänge aus ihrer Kindheit vermissen. Die Realverfilmung ist die deutlich schlechtere, aber dennoch eine durchaus gelungene Version von Kiplings Geschichte.

Fazit: 70 %

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