10. Mai 2016

WarGames - Kriegsspiele

© MGM

Regie: John Badham
Land / Jahr: USA 1983












Schüler David Lightman (Matthew Broderick) hackt sich in das System seiner Schule, um seine Noten zu ändern. Bei dem Versuch einen Videospielherstellers zu hacken landet er beim Verteidigungsministerium und probiert das Programm "Weltweiter Thermonuklearer Krieg" aus. Das ist allerdings kein Spiel, sondern um eine reale Kriegssimulation, die einen Weltkrieg auslösen könnte.
Eigentlich will David nur spielen, aber seine Hacks gehen weit über die Grenzen des Legalen hinaus. Unwissentlich wie gefährlich sein Eindringen in das System des Verteidigungsministeriums ist, bringt er die ganze Menschheit in Gefahr. Dieser Gedanke einer reelen Gefährdung, die von einem Computerprogramm ausgeht war Anfang der 80er Jahre völlig neu und innovativ.
Der Computerangriff Davids im Film ist dabei nicht wie üblich unrealistisch überdramatisiert. Seine Einwahlversuche, das Knacken der Code-Tür mittels eines Diktiergerätes oder die Nutzung der Backdoor, um in das System zu gelangen, waren schon damals tatsächlich möglich und sind technisch einwandfrei dargestellt. Dass der Schüler damals noch einen Telefonhörer für seine Hacks brauchte mag heutzutage vielleicht mittelalterlich vorkommen, früher hat es aber genauso funktioniert.
Die Flucht hingegen vor dem FBI, die Kontaktaufnahme mit seiner Flamme Jennifer (Ally Sheedy) oder das Treffen mit dem totgeglaubten Programmierer Falken (John Wood) halten sich dann doch nicht mehr in den Grenzen des Wahrscheinlichen und wirken leider zu oft zu überspitzt. Es geht Regisseur John Badham hier nicht darum, ein  beklemmendes Drama, sondern einen spannenden Thriller auf die Leinwand zu bringen. Und der braucht natürlich ein sportliches Tempo.
Unter seinem Vorgänger Martin Brest hätte der Film wahrscheinlich etwas düsterer ausgesehen und hätte nicht mehr diesen Jungenstreich-Charme gehabt, denn Brest wollte David eigentlich zu einem Täter anstatt zu einem Passions-Gamer machen. Das gefiel den Produzenten aber gar nicht und so ersetzten sie ihn nach zwölf Drehtagen durch eben jenen John Badham. Mehrere von Brest gedrehte Szenen sind aber dennoch im fertigen Film gelandet.
Hackerfilme gibt es zwar nicht viele, aber sie alle haben ihren Ursprung in "WarGames - Kriegsspiele". Der Film war so wichtig für die Popkultur der 80er Jahre, dass Schriftsteller Ernest Cline ihm beispielsweise in seiner nerdigen Videospiel-Dystopie "Ready Player One" eine ganz besondere Rolle zukommen ließ. Computer-Historisch gibt es hier einiges zu entdecken, dramaturgisch offenbart der Film diverse Probleme. Insgesamt aber ein ganz besonderer Sci-Fi-Thriller, auch wenn die Schauspieler wenige Lichtblicke liefern. Immerhin konnte Matthew Broderick richtig zocken, wurden ihm doch zu Vorbereitungszwecken Arcade-Automaten von "Galaga" und "Galaxian" nach Hause geschickt.

Fazit: 70 %

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