24. Juni 2016

Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln

© Disney

Regie: James Bobin
Land / Jahr: USA, Großbritannien 2016












Es hat lange gedauert, bis Alice (Mia Wasikowska) wieder ins Wunderland zurückkehrt und gleich wird die Freude gedämmt: Denn der Hutmacher (Johnny Depp) ist noch verrückter als bei ihrer Abreise und droht an Kummer zu sterben, da er seine Familie vermisst. Um den lieben Freund am Leben zu halten, macht sich Alice auf die Suche.
Eine Eins mit neun Nullen macht eine Milliarde. Zu dem exklusiven Klub der Filme, die diese magische Grenze an den weltweiten Kinokassen brechen konnten gehört auch der erste Teil "Alice im Wunderland" - logische Schlussfolgerung: Disney will noch mehr Geld einsacken und melkt die Cashcow. Nicht mehr an Bord ist Regisseur Tim Burton, der mit Teil eins einen der schlechteren Filme in seiner Biographie geschaffen hat.
Neuer Mann auf dem Registuhl ist James Bobin, der weniger ein Künstler mit einer eindeutigen Handschrift ist wie Tim Burton. Bobin ist ein Spaß-Regisseur, der sich in der Comedy-Szene mit zwei "Muppet"-Kinofilmen und ein paar Folgen "Ali G" einen Namen gemacht hat. Seine Aufgabe ist nicht einen eigenen "Wunderland"-Film zu drehen, sondern den Stil von Burtons Erstling so gut wie möglich zu immitieren.
Optisch gelingt ihm das, aber da besteht bei Disney auch kaum eine Gefahr, schließlich geschieht im Mäusestudio nichts ohne die totale Kontrolle. Wie schon im ersten Teil gibt es viele kleine Leckereien für das Auge, vor allem das Wunderland sieht wieder aus wie ein kunterbunter LSD-Trip - das sollte doch eigentlich ganz im Sinne von Lewis Carroll sein, der das Kinderbuch vor gut 150 Jahren schrieb.
Inhaltlich würde Carroll wohl weniger begeistert sein. "Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln" macht neben Alice noch den Hutmacher zu der großen Hauptfigur. Eine äußerst pragmatische Entscheidung, denn was ist denn schon solch ein Erfolgs-Garant wie ein Johnny Depp, der in diesem zweiten Teil richtig viel Screentime bekommt. Doch egal wieviel Farbe Depp auch ins Gesicht gekleistert wird: Gerade der Hutmacher ist eine der langweiligsten, blassesten und gezwungen skurrilsten Figuren, dem es gehörig an Charme mangelt. Ob er seine Familie wieder findet oder nicht: Who cares? Das ist eine der schwächsten Rollen Depps.
Das Auge wird zwar verwöhnt, aber Seele und Herz bleiben leer. Der zweite Teil bietet bestenfalls ordentliche Unterhaltung, ohne eine einzige wirklich überzeugende Szene oder eine einzige so richtig sympathische Figur. Welcher Film-Produzent sich freut, mit einem 170-Millionen-Budget ein total durchschnittliches Werk zu schaffen, dessen Seele ist genauso leer wie "Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln".

Fazit: 50 %

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