21. Juni 2016

Bad Boy Bubby

© Bildstörung

Regie: Rolf de Heer
Land / Jahr: Australien, Italien 1993












Der zurückgebliebene Bubby (Nicholas Hope) wird von seiner Mutter in einem kleinen Raum seit seiner Kindheit gefangen gehalten und weiß nichts vom Leben außerhalb der kleinen vier Wände. Nach dem Mord an seiner Erzeugerin und deren Freund ist Bubby auf sich allein gestellt und erlebt so einige Abenteuer in unbekannter Freiheit.
Das erste Drittel von diesem schonungslosen Drama ist definitiv das beste, was dieser düstere Film zu bieten hat. Wenn Bubby noch in Gefangenschaft seiner Mutter ist, die ihn zwar nicht schlägt, aber dennoch jede Menge Kreativität aufweist, um ihren Sohn seelisch zu foltern. Sexuell muss er sie befriedigen und wenn sie nicht da ist, muss er auf einem Stuhl sitzend warten - da nässt er so manches Mal ein.
Mit der nicht bösartigen, aber dennoch grausamen Tötung seiner Mutter erlangt Bubby eine Freiheit, die er überhaupt nicht kennt. Dabei kommt immer wieder die Frage auf, wer eigentlich der geistig zurückgebliebene Irre ist: Bubby oder die "normalen" Menschen. Und von diesen durchgeknallten Individuen trifft der kindlich naive Bubby eine ganze Menge. Die gehören der Norm an und machen Dinge, die dem jahrlang Eingekerkerten nicht in den Sinn gekommen wären.
Besonders gelungen mit netten Seitenhieben sind dabei zwei Begegnungen. Die erfolglose Band, die stets vor leeren Rängen spielt und plötzlich mit einem willkürlich ins Mikrofon schreienden Bubby ungeahnte Erfolge feiert, spielt wunderbar auf die Kunstszene an. Hier wird die Frage gestellt was Kunst ist und was einfach nur sinnfreie Unterhaltung. Grenzen zerfließen. Wesentlich emotionaler ist dann die Episode in dem Behindertenheim, als Bubby der einzige ist, der mit seiner unstrukturierten Artikulation mit den Bewohnern kommunizieren kann. Er wird zu einem mythischen Heilsbringer - auf wunderbar menschliche Art.
"Bad Boy Bubby" ist ein Film der provozieren will, das aber sehr geschickt bewerkstelligt. Regisseur Rolf de Heer bietet einen kritischen und stellenweise sogar sarkastischen Blick auf Themen wie Familie, Kunst oder Krankheit. Sein Hauptthema ist aber, die Frage nach dem wahren Irren, der für de Heer in jedem von uns zu stecken scheint. Doch trotz all dieser Qualitäten ist "Bad Boy Bubby" schwer verdauliche Kost, vor allem wegen den ersten 30 Minuten.

Fazit: 70 %

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