22. Juni 2016

Brust oder Keule

© StudioCanal

Regie: Claude Zidi
Land / Jahr: Frankreich 1976












Charles Duchemin (Louis de Funès) hat einen besonders hochqualitativen Gaumen, nicht umsonst ist er für den wichtigsten Restaurant-Führer Frankreichs verantwortlich. Sein Erzfeind ist Jacques Tricatel (Julien Guiomar), der das französische Volk mit billigem Essen versorgen will und der vor seinem Triumphzug steht. In einer Talkshow treffen die beiden aufeinander.
Allein der deutsche Titel "Brust oder Keule" ist schon eine absurde Delikatesse und stimmt perfekt auf Louis de Funès' Gourmet-Slapstick ein. Nach einem netten Intro und einem Prolog, der noch einmal die Wichtigkeit von Duchemins Restaurant-Führer klarstellt, geht es direkt bei Tisch los: Verkleidet als alte Frau testet Duchemin persönlich eine feine Lebensmittel-Lokalität. Das macht richtig Spaß, denn wie erwartet sind einige Verwechslungen inklusive.
Was weniger gut mundet ist der Nebenhandlungsstrang mit Duchemins Sohn, der nicht so gerne in die Fußstapfen seines Vaters treten möchte und dafür lieber in einem Zirkus als Clown auftritt - natürlich heimlich und ohne das Wissen seines erfolgsgeilen Erzeugers. Diese ganzen Ablenkungsmanöver bringen aber die eigentlich Handlung nicht voran und hätten getrost aus dem Film geschnitten werden können - eine schwache Entertainment-Beilage eben.
Von dem Kaliber "überflüssig" gibt es leider eine ganze Menge in "Brust oder Keule". Eigentlich sind alle Test-Essen in Restaurants nur nette Sequenzen mit ein paar kleinen Lachern, die aber keine Rolle bei der Schlacht gegen den Billig-Lebensmittel-Produzenten Tricatel spielen. Erzählt wird mit den Schlemmereien nicht wirklich viel und sie sind, auch wenn sie viel Spaß machen, nur schmückendes Beiwerk.
Dafür sind die Szenen immer dann richtig lustig, wenn es mal wieder inkognito in ein Restaurant geht. Nur um nicht als Test-Esser erkannt zu werden. Besonderes Highlight ist die Episode, in der der dominante Duchemin die Rolle seines Chauffeurs annimmt und umgekehrt. Dabei werden die Hierarchien immer wieder schön durcheinander gewirbelt. Garniert werden diese gelungenen Momene natürlich mit jeder Menge albernem Slapstick. Das wird nur hartgesottenen de-Funès-Fans gefallen. Intelligente Anspielungen und alberner Blödsinn wechseln sich somit immer wieder ab.
Egal wie dämlich "Brust oder Keule" manchmal auch ist: In der Gourmet-Komödie steckt jede Menge clevere Kritik. Denn der Feinschmecker kämpft gegen Plastik-Fraß, gegen Billig-Essen, das weder gut schmeckt, noch so richtig gesund sein kann. Das Finale in der Lebensmittel-Fabrik lässt aufhorchen. "Brust oder Keule" könnte eine echte Delikatesse sein, wäre nicht so viel Überflüssiges unter den zahlreichen Zutaten.

Fazit: 60 %

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