4. Juni 2016

Green Room

© Universum

Regie: Jeremy Saulnier
Land / Jahr: USA 2015












Da sie das Geld dringend brauchen, nimmt die Punk-Band "Ain't Rights" den Auftrag für einen Gig auf dem Land an. Anstatt partywütigen Punks stehen da aber gewaltbereite Skinheads vor der Bühne. Als die Bandmitglieder dann noch Zeugen eines Mordes werden, droht die Situation zu eskalieren. Mit diesem Wissen, wollen die Rechten die Musiker nicht wieder ziehen lassen.

Ein überzeugendes Extra
Jeremy Saulnier hat mit "Blue Ruin" bewiesen, dass er kein Typ für bequeme oder heldenhafte Stories ist. Die Rachegeschichte hatte keinerlei auch nur ansatzweise Momente zum Aufatmen, sehr konsequent hatte Saulnier die düstere Atmosphäre durchgezogen. Seinem Inszenierungsstil bleibt er auch in "Green Room" ohne Umschweife treu.
Diesmal gibt es sogar noch ein überaus überzeugendes Extra: "Green Room" ist absolut glaubwürdig in der amerikanischen Skindhead-Szene eingeordnet. Es sind keine stumpfen Klischee-Rechten, sondern fehlgeleitete Menschen mit einem überschauberen IQ und der bedingungslosen Bereitschaft exzessive körperliche Gewalt anzuwenden. Die "Guten", also die Punks von "Ain't Rights" sind hingegen nicht nur ziemlich kampfunerfahren, sondern haben auch kein sonderlich ausgeprägtes Selbstbewusstsein.

Abgebrühter Taktiker
Erfreulicherweise entflammt der Konflikt nicht aus Prinzip. Die Linken werden nicht wegen ihrer Ideologie angegriffen, sondern ganz einfach weil sie etwas sehen, das nicht für ihre Augen bestimmt war. Entscheidungen werden hier nicht mit dem Kopf getroffen, sondern haben einen ganz pragmatischen Ursprung. Der einzige abgebrühte Taktiker in "Green Room" ist "Stark Trek"-Legende Patrick Stewart. Zwischen Rassenkunde und Waffen- und Drogengeschäften ist er das bösartige Hirn hinter den Skinhead-Plänen.
Aber auch wenn die meisten Figuren in diesem sehr düsteren Thriller ziemlich einfach gestrickt sind, so ist es das Drehbuch keineswegs. Die Dialoge und Argumente der Figuren sind schlüssig und passend, die Wendungen gut geschrieben. Das hilft natürlich immens die Spannungskurve stabil zu halten. "Green Room" ist packend und gleichzeitig hochqualitativ. Eine extrem seltene Mischung - gerade heutzutage.
Was Jeremy Saulnier mit "Blue Ruin" schon angedeutet hat, dass hat er in "Green Room" bestätigt. Der Szene-Thriller ist intelligent und spannend zugleich, gepaart mit einigen dermaßen krassen Gewaltszenen, dass der Film in Deutschland zu Recht nur für Erwachsene freigegeben ist: Bäuche und Kehlen werden aufgeschlitzt, Kopfschüsse an der Tagesordnung. Sehr blutig, aber niemals zum Selbstzweck. "Green Room" ist der Beweis, dass es meistens besser ist eine einfache Handlung gut durchdacht durchzuziehen, anstatt ein großes Spektakel mit einem wackeligen Drehbuch zu inszenieren. Von Saulnier sind noch große Filme zu erwarten.

Fazit: 75 %

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