19. Juni 2016

Lobster, The: Eine unkonventionelle Liebesgeschichte

© Sony

Regie: Yorgos Lanthimos
Land / Jahr: Griechenland, Irland, Niederlande, Großbritannien, Frankreich 2015











45 Tage hat David (Colin Farrell) Zeit, um während eines Hotelaufenthaltes eine Frau zu finden, die perfekt zu ihm passt. Sollte ihm das nicht gelingen, so wird er zur Strafe in ein Tier seiner Wahl verwandelt - So will es das Gesetz. Doch David gelingt die Flucht aus dem Hotel und er schließt sich einer Widerstandsgruppe in den Wäldern an.
Ein Aufkleber mit der Aufschrift "Extrem massenuntauglich" müsste eigentlich auf jedem Poster, auf jeder DVD von "The Lobster" pragen. Freunde von dumm-unterhaltsamen Hollywood-Projekten leben schon seit Yorgos Lanthimos' mit zweifachen Cannes-Ehren ausgezeichnetem surrealistischem Werk "Dogtooth" in Furcht vor dem griechischen Regisseur.
Wer die Zeichen erkennt, ist also gewarnt und sollte sich auf eine fette Extra-Portion Skurrilität gefasst machen, denn auch "The Lobster" wehrt sich getreu Lanthimos' Stil gegen die Konventionen der Logik. Das soll aber nicht bedeuten, dass der Film keinen Sinn macht, sondern, dass er eine eigene, eine innere Logik hat, die es zu entschlüsseln gilt.
Dass es hier besondere Rollen zu spielen gibt, haben auch Film-Stars wie Colin Farrell, Léa Seydoux, Rachel Weisz, Ben Whishaw und John C. Reilly erkannt und die Möglichkeit ergriffen, ein Teil dieses kleinen Kunstwerks zu werden. Und sie alle zahlen es ihrem Regisseur mit tollen, wenn auch nicht fantastischen Leistungen zurück.
Nur weil die drohende Strafe eine Verwandlung in ein Tier ist, sollte hier aber niemand plakative Spezial-Effekte erwarten. Wer zum Reh oder Schaf geworden ist, der läuft halt in seiner neuen Form im Hintergrund über die Leinwand - ohne Schnickschnack und völlig unaufdringlich. Das sind natürlich nette Details, die es zu entdecken gibt, denn Lanthimos liebt es seinen Hintergründen Leben einzuhauchen.
Der absurde "The Lobster" funktioniert und gefällt ohne aber umzuhauen. Lanthimos etabliert eine eigene Logik, die vom Zuschauer erwartet stets aufmerksam zu sein und sein kleines Köpfchen anzustrengen. Diese selbsternannte "unkonventionelle Liebesgeschichte" ist kreativ, intelligent und lässt sich auch wunderbar gesellschaftskritisch lesen. Freunde von qualitativ hochwertigen Filmen abseits des Mainstreams werden höchstwahrscheinlich viel Freude mit diesem skurrilen Krustentierchen haben - oder ihn direkt in das kochende Wasser im Kochtopf stecken.

Fazit: 65 %

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen