28. Juni 2016

Mit ganzer Kraft - Hürden gibt es nur im Kopf

© Polyband

Regie: Nils Tavernier
Land / Jahr: Frankreich, Belgien 2013












Der 17-jährige Julien (Fabien Héraud) ist seit seiner Geburt körperlich behindert und auf den Rollstuhl angewiesen. Als er herausfindet, dass sich sein arbeitsloser Vater (Jacques Gamblin) einst an einem Ironman-Wettbewerb versucht hat, will Julien in einer Mannschaft mit ihm antreten. Dass ungleiche Vater-Sohn-Team trainiert dafür jeden Tag.
Der Film beruht sehr frei auf den Erlebnissen der US-amerikanischen Familie Hoyt, genauer gesagt auf denen des "Team Hoyt". Das aus Massachusetts stammende Vater-Sohn-Paar wurde berühmt damit, dass es gemeinsam an mehr als 1000 Sportveranstaltungen wie Triathlons, Marathons oder eben auch sechs Ironman-Wettbewerben teilnahm. Vater Dick schob seinen Sohn Rick dabei stets im Rollstuhl.
Dieses Konzept übernahm Filmemacher Nils Tavernier für seine französische Familie Amblard. Um die Geschichte zu erzählen nimmt er sich erstaunlich wenig Zeit, er presst alles in knappe 86 Minuten Spielzeit. Warum der Film so kurz ist, das weiß kein wahrscheinlich nur der Regisseur selbst, denn "Mit ganzer Kraft" ist zwar extrem kurzweilig, aber manchmal viel zu knapp.
Eingeteilt ist der Film in drei Kapitel: 1. Julien findet heraus, dass er an einem Ironman teilnehmen möche, 2. Julien und sein Vater trainieren für das Sportevent, 3. der eigentliche Wettkampf. Und gerade Kapitel zwei und drei sind zu knapp geraten. Dabei gucken Vater und Sohn sich noch "Rocky" beim Kämpfen an und der hat ja in jedem seiner Filme mindestens eine (Film-)Stunde lang Zeit für sein Training. Sie selbst trainieren lediglich 20 Minütchen für das mega anstrengende Event. Die Relation stimmt nicht. Auch die geradelten 118 Kilometer wirken eher wie 25. Tavernier sollte noch an seiner Inszenierung von Zeit arbeiten.
Besonders gefällt, dass sich Tavernier dafür entschieden hat, die Rolle des Julien mit dem tatsächlich körperlich behinderten Fabien Héraud zu besetzen. Mit Sicherheit eine ungewohnte Herausforderung, die aber sowohl die Schauspieler als auch das ganze Team überzeugend meistern. Von dieser Extra-Portion Realismus profitiert der ganze Film.
"Mit ganzer Kraft - Hürden gibt es nur im Kopf" ist einer der wenigen Filme, die tatsächlich zu kurz geraten sind. An der einen oder anderen Stelle hätte Regisseur Tavernier sich mehr Zeit nehmen oder aber sie besser inszenieren können. Dennoch ist der Film ein tolles Statement dafür, dass man für seine Träume kämpfen muss - beruhend auf einer wahren Geschichte.

Fazit: 65 %

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